Bild: Sozialministerium // Einen Tag lang 80 sein und erfahren wie sich alte Menschen fühlen

Am 8. November ist Boys' Day

Von Daniela Ullrich

Der Mangel an Pflegekräften nimmt immer stärker zu. Die Männerquote bei Lehrkräften in Volksschulen liegt bei nur 7,5% – das soll sich ändern.

 Am 8. November findet deshalb der Boys' Day statt, ein österreichweiter Aktionstag des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz. Damit sollen die Bereiche Erziehung und Pflege bei der Ausbildungs- und Berufswahl männlicher Jugendlicher gefördert werden.

Den Alltag im Kindergarten kennen lernen. Einen Tag lang 80 Jahre alt sein und eine Rollstuhl-Rallye fahren. Das Anlegen von Verbänden in Pflegeschulen ausprobieren. So vielfältig sind die Einblicke, die Zwölf- bis Achtzehnjährige am 8. November erhalten. Aus rund 5.000 Schnupperplätzen in bis zu 500 Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern, Jugendeinrichtungen, Beratungsstellen, AMS-Zentren, Pflege- und Altenheimen in ganz Österreich werden die Burschen wählen können. Die Auseinandersetzung mit traditionellen Geschlechterrollen und Männlichkeitsbildern findet in rund 160 Workshops für bis zu 2.000 junge Männer statt. Voraussichtlich 250 Schulen werden am Boys' Day teilnehmen.

In Oberösterreich haben sich bereits 64 Einrichtungen angemeldet, die 772 Burschen neue Einblicke ermöglichen werden. In den bislang 10 angekündigten Workshops können bis zu 161 junge Männer Themen wie Lebensvorstellungen, Männlichkeit oder Berufswahl diskutieren. 391 Burschen haben sich bereits für Workshops oder Einrichtungsbesuche registriert. Interessierte Einrichtungen können sich noch immer zur Teilnahme anmelden.

Kinderbetreuung ist auch Männersache

Männer werden vor allem in der Kinderbetreuung dringend gesucht. Denn Kindererziehung ist keine Frauensache, sondern eine gemeinsame Aufgabe von Männern und Frauen, die sich auch in den Betreuungseinrichtungen widerspiegeln sollte. Derzeit sind nur 1,3 Prozent der 33.037 Betreuungspersonen in österreichischen Kindergärten männlich. Rechnerisch gesehen kommt somit ein Kindergartenpädagoge auf 507 Kinder. Die Akademisierung pädagogischer Ausbildungen hatte bislang wenig Effekt. Im ersten akademischen Lehrgang für Elementarpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Klagenfurt meldete sich zu Semesterstart kein einziger Mann an – aber 62 Frauen, die diesen Beruf ergreifen möchten. Auch in der Schule fehlen die Männer: Der Anteil der Volkschullehrer liegt bundesweit bei nur 7,5 Prozent.

Maßnahme gegen Pflegemangel

Da der Mangel an Pflegekräften immer stärker zunimmt, sind Lehrlinge und Fachkräfte auch im Pflegebereich sehr gefragt. Mit der alternden Bevölkerung und der Generation an Babyboomern, die in den nächsten Jahren in Pension geht, steht Österreichs Arbeitsmarkt vor einer großen Herausforderung. Bereits ab 2022 wird die Bevölkerungszahl im erwerbsfähigen Alter abnehmen und sich einem starken demografischen Wandel unterziehen. Bis 2025 werden mehr als 1.600 Pflegekräfte fehlen. Junge Männer sollen sich aus diesem Grund schon früh für das Berufsfeld Pflege interessieren. Der Boys' Day Aktionstag trägt maßgeblich dazu bei. Auch pädagogische Einrichtungen sind verstärkt auf der Suche nach Personal, männliche Bezugspersonen sind besonders gefragt.

Pluspunkt Vielfalt

Eine Vielzahl an Menschen – Frauen und Männer unterschiedlicher Herkunft - leistet bereits Betreuungsarbeit. Die Bedeutung dieser Zusammenarbeit soll den Jugendlichen am Boys' Day ebenfalls vermittelt werden. Junge Burschen, Schulklassen und Jugendeinrichtungen aus allen Bundesländern sind zu diesem österreichweiten Schnuppertag eingeladen und können sich dafür online anmelden.

Schulübergreifendes Pilotprojekt: „Burschen bauen Bildung“

In diesem Jahr ist der Boys' Day auch digital. Bei einem schulübergreifenden Pilotprojekt, in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Lerntechnologie und Innovation der Pädagogischen Hochschule Wien und dem Future Learning Lab Wien, kommt in diesem Jahr das beliebte Aufbauspiel „Minecraft“ zum Einsatz. Im digitalen Raum nehmen die Burschen die Rolle des Kindergärtners ein und entwickeln dabei ein Kindergartenkonzept der Zukunft. Durch den Gaming-Ansatz werden die Kinder dort abgeholt, wo sie sich in ihrer Freizeit ohnehin bewegen. Burschen und auch Mädchen entwerfen gemeinsam einen Bildungscampus – die Burschen als Kindergartenpädagogen den Kindergarten, die Mädchen als Volksschullehrerinnen die Volksschule. Im wechselseitigen Austausch wird das Artikulieren, Verhandeln und Durchsetzen von Zielen und Konzepten geübt. Nach Fertigstellung der einzelnen Bauwerke der Schulen werden diese in einer gemeinsamen Welt zusammengeführt. Beim Hauptevent in Wien werden die Projekte vorgestellt und diskutiert.

Jedes Jahr mehr Teilnehmer und teilnehmende Institutionen

2017 öffneten rund 400 Betriebe für über 5.000 junge Burschen ihre Türen. Genau 5.381 Jungs, um rund 14% mehr als im Vorjahr, besuchten Einrichtungen der Pflege und Erziehung oder wurden in einem Workshop für nicht-traditionelle Männerberufe und Männerrollen sensibilisiert. Eine Befragung danach zeigt: 95% der Burschen hat der Einrichtungsbesuch sehr gut oder gut gefallen. Über 90% konnten „neue Dinge erfahren“, etwa 60% erhielten neue Ideen für die Berufswahl. Das Bild von typischen Frauen- und Männerberufen hat sich bei über 60% der Teilnehmer deutlich verändert. Über 80% der Burschen, die an einem Einrichtungsbesuch teilgenommen haben, finden es völlig normal, wenn Männer in ebenjenen Berufen arbeiten. Immerhin rund 37% können sich vorstellen, selbst in pflegerischen oder pädagogischen Berufen tätig zu werden. Auch für die Einrichtungen selbst hat sich der Boys' Day gelohnt: 98% der männlichen Jugendlichen beurteilten die Organisation des Einrichtungsbesuchs als „gut“ oder „sehr gut“.