Fallstricke und Chancen bei Betriebsübergaben

Fallstricke und Chancen bei Betriebsübergaben

Von Susanna Sailer

Mediatorin Sandra Thaler und Ex-Neos-Chef Matthias Strolz über die Kunst, Veränderungen zu meistern.

Konflikte, ausgelöst durch Fehler beim Generationswechsel, können ein Unternehmen in seiner Existenz gefährden. "Jede dritte Unternehmensnachfolge scheitert", sagt Wirtschaftsmediatorin Sandra Thaler. Ihrer Ansicht nach sollten diese Fehler bei Übergaben vermieden werden:

Sich der Nachfolgefrage zu spät stellen: Zwei bis fünf Jahre vor der Übergabe sollte klar sein, wer übernimmt.

Alles in einer Hand halten: Wenn ein Unternehmer alles verantwortet, birgt das hohes Risiko. Wissen muss frühzeitig dokumentiert, weitergegeben und Kompetenzträger müssen aufgebaut werden.

Ungelöste Interessenkonflikte: Unklarheiten führen zu Missverständnissen und Ängsten. Mediatoren können helfen.

Unrealistische Preisvorstellungen: Bei einem Unternehmensverkauf wird der emotionale Wert oft mitberechnet. Nur objektive Bewertungskriterien sind relevant. Bei firmeninternen Übergaben sind Abfindungen für weichende Erben ein sensibles Thema.

Fehlende Finanzierbarkeit: Gibt es keinen Nachfolger aus der Familie, wären oft Mitarbeiter bereit, Firmenanteile zu kaufen. Viele scheitern aber am fehlenden Eigenkapital. Das gilt es vorab zu klären, ebenso wie bestehende Vorkaufsrechte oder verbleibende Gesellschafterrechte.

Thaler rät dazu, die Nachfolge nicht als Stichtagereignis, sondern als Prozess zu verstehen und rechtzeitig Coachings oder eine Mediation hinzuzuziehen.

Bei einem Symposium, das Thaler gemeinsam mit Unternehmensberater Florian Leitl am 4. Juni in den Promenaden Galerien Linz abhalten wird (siehe Info-Kasten), werden Referenten darauf eingehen, wie Konflikte besser, schneller und kostengünstiger zu managen sind.

Einer der Vortragenden wird Neos-Parteigründer Matthias Strolz sein, der heute als Unternehmer, Organisationsentwickler und Autor tätig ist. Er wird sich dem Thema Veränderung widmen, das auch bei Unternehmensübergaben eine große Rolle spielt.

Die Kunst des Loslassens

Für ihn seien Großzügigkeit und Entschlossenheit zwei wesentliche Erfolgsfaktoren für eine gelungene Nachfolgeregelung. Strolz: "Die übergebende Generation muss bereit sein, großzügig loszulassen. Ingeborg Bachmann hat einmal gesagt: ,Loslassen können ist keine Schwäche, sondern eine Stärke.’ Das trifft allemal für unternehmerische Generationenübergaben zu. Dort wo die ältere Generation loslassen muss, müssen die Jungen beherzt und respektvoll anpacken. Auf ihre eigene Art. Mit ihrer vollen sachlichen Leidenschaft. Sie müssen sich die Freiheit nehmen und in die Verantwortung gehen: Also entschlossen ihre eigene Spur ziehen."

"Die Alten" sollten "den Jungen" zugestehen, dass sie es anders machen. "Dafür gibt es nicht diesen einen besten Weg", sagt Strolz. Darüber hinaus müsse jede Unternehmensidee auch immer wieder in zeitgemäße Gefäße gefüllt werden. Hier sei die Seite der Übernehmenden gefordert. Strolz: "Die Jungen zeigen idealerweise Dankbarkeit und Respekt für das, was war und ist, sowie Mut und Entschlossenheit, eigene Wege zu gehen. Mit dieser Mischung lassen sich gute Landebahnen für die Zukunft bauen."

Symposium Wirtschaftsmediation

Am 4. Juni 2020 widmet sich ein Symposium in den Linzer Promenaden Galerien dem Thema Wirtschaftsmediation. Hochkarätige Vordenker und Macher aus den unterschiedlichsten Bereichen werden dazu erwartet. Sie alle propagieren Kooperation und das teilweise auf eine revolutionäre Weise.

Unter den Referenten sind der einstige Neos-Parteigründer und heutige Unternehmer Matthias Strolz, Wirtschaftsmediatorin Sandra Thaler, KPMG-Rechtsanwalt Alexander Insam, Unternehmensberater Florian Leitl und Xing-Austria-Managerin Kristina KnezevicDaniel Haider, stellvertretender Leiter des Beteiligungsmanagements in der Raiffeisenlandesbank OÖ, wird zudem einen Workshop zum Thema "Konfliktmanagement und Finanzierung für die erfolgreiche Unternehmensnachfolge" halten.

Nähere Informationen und Tickets:  www.symposium-mediation.at oder via E-Mail: office@symposium-mediation.at