Mehr Marie – wie Frauen zu mehr Gehalt kommen
Bild: Laresser// Alexandra Rochelt, Leiterin "Human Resources" in der Sparkasse Oberösterreich

Mehr Marie – wie Frauen zu mehr Gehalt kommen

Von Sigrid Brandstätter

Zwei Workshops am OÖN-Frauentag am 6. März 2020 liefern praktische Tipps, wie Arbeitnehmerinnen ihre Position bei Entgeltverhandlungen verbessern.

Frauen verdienen in Österreich ein Drittel weniger als Männer. Dafür gibt es mehrere Gründe: Das beginnt bei der Berufsauswahl, Frauen zieht es weniger in die Technik, wo die Verdienstmöglichkeiten deutlich über jenen des Handels oder der Dienstleistung liegen. Ein zweiter, wesentlicher Grund ist der hohe Teilzeitanteil der Frauen – überwiegend mit einem Stundenausmaß, das weit von einer Vollzeit-Beschäftigung entfernt ist.

Ein weiterer Grund, warum sich über die Erwerbskarrieren die Gehälter von Männern und Frauen auseinanderentwickeln, sind individuelle Gehaltsverhandlungen. Oder besser gesagt: die nicht geführten Gehaltsverhandlungen.

Personalchef und -chefinnen bestätigen, dass Frauen – wenn überhaupt – weniger häufig und weniger nachdrücklich nach mehr Gage fragen. Darum widmen sich zwei Workshops, unterstützt von der Sparkasse Oberösterreich, beim 2. OÖN-Frauentag diesem Thema.

Die Personalchefin der Sparkasse Oberösterreich, Alexandra Rochelt, stellt sich zur Verfügung und gibt Einblick, wie "Marie" es am besten angeht, um zu "mehr Marie" zu kommen.

Rochelt, die als Personalleiterin Erfahrung in der Industrie, im Handel und eben im Bankwesen hat, bestätigt die Grundthese: "Männer sind konsequenter und hartnäckiger bei Gehaltsverhandlungen. Frauen sollten sich mehr zutrauen und mutig sein."

Spaß an der Arbeit ist nicht alles

Dazu käme ein weiterer Punkt: Frauen sei der Spaß an der Arbeit, der Sinn wichtiger. Geld stehe in diesem Zusammenhang nicht im Vordergrund. "Dabei sind Frauen im Alltag oft für die Verwaltung der Finanzen zuständig. Sie erledigen die Familieneinkäufe, geben Taschengeld und zahlen den Beitrag für die Schulskiwochen. Bei den Gehaltsverhandlungen sind sie in der Regel aber nicht so konsequent."

Sie berichtet, dass Frauen weniger fordern und weniger entschlossen in den Verhandlungen auftreten. Frauen gibt sie mit: "Man erntet keine Dankbarkeit für den Verzicht auf mehr Gehalt."

Rochelt wird auch im Workshop (nur mit Anmeldung: https://frauenzeit.nachrichten.at/ herausarbeiten, dass es auf eine gute Vorbereitung ankommt. Diese beginnt damit, überhaupt zu wissen, wie viel erzielbar ist. Argumentiert werden sollte mit messbarer Leistung, erreichten Zielen – am besten weil gerade ein Projekt erfolgreich abgeschlossen wurde.

Frauen würden dazu neigen, ihre Beiträge zum Erfolg als selbstverständlichen Teil der Arbeit zu betrachten. Dabei sei es wichtig, im Arbeitsalltag bleibenden Eindruck aufgrund einer guten Leistung zu hinterlassen. "Gehälter werden dadurch bestimmt, wie gut sichtbar die Leistungen jedes Einzelnen sind." Daher: sich in Sitzungen zu Wort melden, über Erfolge berichten und sich im Anschluss an Besprechungen auch an den Gesprächen beteiligen.

Richtige und falsche Argumente

Im Workshop geht es um Tipps für den richtigen Zeitpunkt, den Sinn eines Leistungstagebuchs, falsche und richtige Argumente und wie man auf Killerargumente seines Gegenübers reagieren kann.

Auch einen Tipp für nicht erfolgreiche Verhandlungen hat Rochelt: "Frauen neigen dazu, alles persönlich zu nehmen. Tun Sie das nicht, sondern kündigen Sie an, in einem halben Jahr wiederzukommen."

Zur Person:

Alexandra Rochelt ist seit Juli 2017 Leiterin "Human Resources" in der Sparkasse Oberösterreich. Zuvor war sie beim Spezialmotorenbauer BRP in der Personalentwicklung. Von 2009 bis 2013 war die Mühlviertlerin für die Shoppingcenter-Tochter von Ikea Personalverantwortliche für fünf Länder. Die erste Personalleitung hatte sie bei E+E Elektronik inne.

Das Programm:

Am 6. März 2020 findet von 9.30 bis 18.30 Uhr der zweite OÖN-Frauentag in den Promenaden Galerien in Linz statt. Die Besucherinnen erwartet ein buntes Programm mit einem Mix aus Politik, Karriere und Geld, Gesundheit, Kulinarik, Mode, Styling und Erziehung. Dazu Beratung an etlichen Infoständen, Erfrischungen und Zeit zum Austausch.

Der Eintritt ist kostenlos. Für die Workshops ist eine Anmeldung unter https://frauenzeit.nachrichten.at/ erforderlich. Workshops:10.00 bis 10.45 Uhr11.00 bis 11.45 Uhr"Mehr Marie für die Marie" – Wie Frauen erfolgreich Gehalt verhandelnMit Alexandra Rochelt, Personalchefin, Sparkasse Oberösterreich13.00 bis 13.45 Uhr14.00 bis 14.45 Uhr"Nicht mit mir!"Einfache, aber wirkungsvolle Griffe der SelbstverteidigungMit Michaela Eisold-Pernthaller und Ursula Gressenbauer