Was macht ein Genie aus?
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Österreicher glauben, dass Ausbildung nicht viel zählt für wahres Genie

LINZ. Talente-Studie: Einzigartigkeit, Fleiß und Einfallsreichtum sind wichtigere Eigenschaften.

Wenn jemand ein echtes Talent ist, zeichnen ihn vor allem Einzigartigkeit, Fleiß und Ausdauer sowie Einfallsreichtum aus, sagen die Österreicher in einer Imas-Befragung. Erstaunlich ist, dass "gute Ausbildung, gute Fachkenntnisse" erst auf Platz 9 der für Genies wichtigen Eigenschaften steht. Lediglich 13 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass technisches Verständnis wichtig ist, um als Talent wahrgenommen zu werden. "Das ist ein echtes Problem", sagt Meinhard Lukas, Rektor der Linzer Johannes Kepler Universität (JKU).

Fleiß werde in diesem Ranking viel höher eingestuft als Ausbildung, insbesondere technischer. "Insofern ist es nicht verwunderlich, dass es so schwierig ist, Junge für technische Studienrichtungen zu motivieren", so Lukas.

Ein interessantes Ergebnis aus der Studie: Die Österreicher sind der Ansicht, dass zu wenig für außergewöhnliche Talente getan wird. 44 Prozent treten dafür ein, größere Anstrengungen zur Talenteförderung zu unternehmen, sagt Studienautor Paul Eiselsberg. An der JKU arbeitet man beispielsweise an einem Hochbegabten-Programm mit Zusatzangeboten und Individual-Unterricht. Wirtschaftslandesrat Michael Strugl nennt in diesem Zusammenhang die kostenlose Potenzialanalyse für alle 14-Jährigen, die mit zwei Millionen Euro gefördert wird. Das Ziel ist, dass die Jungen gemäß ihren wahren Talenten eine weiterführende Ausbildung wählen können. Die vielen Fehlentscheidungen kosten ein Vielfaches.

Früher war es nach Ansicht der Österreicher leichter, seine Talente zu leben. 27 Prozent glauben, dass es Menschen mit besonderem Talent heutzutage schwieriger hätten als früher, 16 Prozent sagen "leichter". Als Gründe nennt Eiselsberg den stärkeren globalen Wettbewerb, in dem die Begabten von heute stehen. Auch die Grundstimmung in der Gesellschaft nach Sicherheit widerspreche dem Ausleben von Talenten. Jugendstudien würden außerdem zeigen, dass die jungen Menschen in unserer Zeit derart viele Optionen hätten, ihren Neigungen nachzugehen, dass sie leicht überfordert seien und sich auf nichts richtig konzentrieren könnten.

"Unser wichtigster Rohstoff ist das Hirnschmalz. Den müssen wir ausschöpfen", plädiert Strugl für stärkere Förderung von Begabten. Die zweite Auflage des OÖ Leistungspreises (mit Raml und Partnern) soll dabei mithelfen. (uru)

 

Umfrage: "Was macht ein wahres Talent/Genie aus?" (PDF)



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