Autisten im Job: Ein Gewinn für beide Seiten
Bild: (Richter Pharma AG)

Autisten im Job: Ein Gewinn für beide Seiten

Von Daniela Ullrich

WELS. Arbeitnehmer mit Autismus haben ganz besondere Fähigkeiten und Begabungen, die sie in den Beruf mit einbringen.

Heute ist Weltautismustag. Dieser soll Bewusstsein schaffen, dass die tiefgreifende Entwicklungsstörung zwar weit verbreitet, aber wenig bekannt ist. Autismus wird oft nicht oder zu spät erkannt. Dementsprechend hoch ist die Dunkelziffer: Einer von 100 Menschen soll laut Experten betroffen sein.

In Oberösterreich leben 14.000 Autisten, ein Drittel davon mit Asperger-Syndrom, einer speziellen Form dieser Erkrankung. Dieses ist eine autistische Entwicklungsstörung, die mit einem eingeschränkten Einfühlungsvermögen, mangelhafter sozialer Kompetenz und oft ungewöhnlichen Sonderinteressen einhergeht. Sprachentwicklung und Intelligenz sind bei Betroffenen normal bis sehr gut entwickelt.

Franz Spitaler lebt seit rund neun Jahren damit, er gilt als äußerst intelligent. Im Alter von zwölf Jahren wurde das Asperger-Syndrom bei ihm festgestellt. Auslöser war der Tod des Großvaters. "Ein Psychiater hat mich genauer untersucht, weil ich gar nicht mehr aufhören konnte, traurig zu sein", erzählt der heute 21-Jährige.

Anfangs ignorierte er den Autismus, in der Pubertät konnte er seine Krankheit nur schwer akzeptieren, nun hat er sich damit arrangiert. "Ich lebe ja ganz gut damit", sagt er. "Ich vermeide große Menschenansammlungen, da fühle ich mich nicht wohl. Wenn ich fortgehe, treffe ich meine Kumpels lieber im Wirtshaus, da ist es nicht so voll. Vor kurzem habe ich mir ein Tablet gekauft. Darauf schaue ich nun verschiedenste Dokumentationen auf YouTube an. Das ist richtig spannend", so der Eferdinger.

Integration statt Mobbing

Früher war es weder in Beruf noch privat so locker. Um die Probleme in der Berufsschule und in der Lehrstelle in Griff zu bekommen, hat sich die Mutter von Franz Spitaler an das Autismuskompetenzzentrum der Barmherzigen Brüder in Linz gewandt. Dort fand er mit Werner Holmes-Ulrich seinen Begleiter.

Als Asperger-Patient war der Berufsschulbesuch der reinste Spießrutenlauf. Auch das Umfeld in der Apotheke, der Lärm, Stress und die vielen Kunden waren ungeeignet. Dort brach er die Lehre ab. Holmes-Ulrich fand für seinen Schützling bei der Welser Richter Pharma AG den optimalen Arbeitsplatz. Spitaler konnte dort seine Lehre als pharmazeutisch-kaufmännischer (PK) Assistent abschließen.

Seit 2014 kann Spitaler hier seine Stärken unter Beweis stellen. Die Tätigkeit im so genannten Reinraum, wo Arzneimittel angesetzt werden, erfordert äußerst präzises Arbeiten. Der PK-Assistent fühlt sich hier wohl: "Bei den Lösungen weiß ich genau, welche Rohstoffe beigemengt werden müssen und worauf es bei der Mischung ankommt. Ich hinterfrage viel und recherchiere dann aus Eigeninteresse. Einerseits liegt mir das genaue Arbeiten, andererseits mag ich das Handwerkliche daran."

Seine Vorgesetzten wissen die Stärken ihres Mitarbeiters zu schätzen: "Franz hat beinahe ein Wikipedia-Wissen in der Pharmazie", sagt Birgit Schiehauer, Vorstandsassistentin der Richter Pharma AG: "Das, seine unglaubliche Ausdauer, seine Genauigkeit und seine Leidenschaft für die Tätigkeit haben uns von Anfang an überzeugt, ihn ohne Bedenken einzustellen."

Für Asperger-Patienten untypisch ist sein Interesse an Hobbys. So ist Franz Spitaler leidenschaftlicher Fischer. Im Juni startet er daher in ein Abenteuer: Drei Wochen lang wird er seiner liebsten Beschäftigung in den Westfjorden von Island nachgehen.

 

Begleitung im Job

Menschen, bei denen eine Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert wurde und die in Oberösterreich arbeiten möchten, können sich bei WORK_aut, dem Autismuskompetenzzentrum der Barmherzigen Brüder, melden: Bei einem Erstgespräch werden Jobmöglichkeiten ausgelotet.

Die Vorstellung bei interessierten Arbeitgebern wird mit einem Coach bewältigt, er unterstützt auch während des Arbeitseinsatzes. Die Integration in den Arbeitsmarkt ist oft erfolgreich: WORK_aut hat derzeit 14 Autisten im Berufsleben. Infos: www.work-aut.at

Österreichweit greift Specialisterne (dänisch für Spezialisten) unter die Arme. Der Verein hat sich auf die Integration von Autisten besonders in der IT-Branche spezialisiert. Mehr Infos hier