Alexander Stelzer
Bild: Hansaton

Ein Händler mit ganz großem Wissensdurst

Von Susanna Sailer

Hansaton-Geschäftsführer Alexander Stelzer kombiniert Praxis gern mit Forschung und Lehre.

Bevor Alexander Stelzer (40) über all seine absolvierten Ausbildungen sprechen kann, muss er wegen deren Vielzahl erst einmal tief Luft holen. Doch in der Welt des Handels ist der gebürtige Rieder so richtig angekommen. Seit Mai ist er Geschäftsführer bei Hansaton, einem führenden Anbieter von Hörsystemen in Österreich.

Stelzer lebt mit seiner Familie in Innsbruck, arbeitet unter der Woche in Wals bei Salzburg und ist trotzdem stark seiner Heimat, dem Innviertel, verbunden geblieben. Deswegen wird für ihn der kommende Dienstag, wenn der Hörakustikspezialist in Ried/Innkreis seine 89. Filiale aufsperren wird, ein Tag des Nach-Hause-Kommens sein. „Meine Eltern leben in Mehrnbach, nur ein paar Kilometer von Ried entfernt“, freut sich der Hansaton-Geschäftsführer auf das Wiedersehen.

Bei Spar den Handel für sich entdeckt

Schon als junger Mann lautete sein Lebens- und Karrieremotto: „Lasse keine Minute verstreichen, ohne diese Welt zu entdecken.“ Also zog es den kontaktfreudigen Innviertler nach der Matura an die Innsbrucker Uni. Nach vier Semestern Medizinstudium sattelte er auf Betriebswirtschaft um – ein Studium, das er 2006 abschloss. Später gesellten sich zwei postgraduale Studien über Internationales Wirtschafts- bzw. Steuerrecht in Frankfurt hinzu. Mit 29 Jahren wurde Stelzer – damals aus der Kommunikationsbranche kommend – Bereichsleiter für Einkauf und Sortiment bei der Tiroler Spar-Zentrale in Wörgl. „Seit diesem Zeitpunkt fasziniert mich das Handeln, also das Agieren zwischen Menschen“, sagt Stelzer. Und zwar so sehr, dass sich der studierte Betriebswirt voll der Spar-Akademie verschrieb, Gesellen- und Meisterbrief nachholte und weitere sieben Ausbildungen - darunter im Wifi den Sommelier und das Diplom zum Genussmanager - absolvierte. „Wer etwas mit Leidenschaft tut, tut es gern und auch viel“, sagt er und ergänzt: „Ich habe meinen Beruf sehr bewusst und kompetent erlernt.“

Der Mensch steht immer im Mittelpunkt

2012 wechselte er zu Alnatura nahe Darmstadt, einer der großen Biomarken Deutschlands. Rasch wurde er in den Leitungskreis Filialmarketing geholt. Damit verbunden war ein Kennenlernen der von Rudolf Steiner begründeten anthroposophischen Weltanschauung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. „Das hat meinen Lebensweg geprägt“, erzählt Stelzer. Er sieht darin auch einen der Gründe, warum er nach einem dreijährigen Zwischenstopp beim Tiroler Handelshaus Wedl letztendlich zu Hansaton stieß. „Alles was ich die letzten Jahre erleben und sehen konnte, ann ich hier noch einmal so richtig komprimieren.“ Mit der Zusatzaufgabe, dass es sich um Produkte handle, vor denen manche Kunden anfänglich Scheu empfänden. „Ich habe im Grund das Meisterstück des Handels für mich bei Hansaton gefunden“, ist Stelzer heute überzeugt.

Was ihn am Handel fasziniert:  „Die Kunden kommen mit leuchtenden Augen, wenn sie mit unserer Leistung zufrieden sind, und Mitarbeiter erhalten direktes Feedback“, sagt er. Bei Hansaton mache es ihm Spaß, mit emotionalen Angelegenheiten zu tun zu haben. Menschen, die oft jahrelang das Thema schlecht Hören ignorieren, dieses dann aber erkennen, sich dazu bekennen und dann eines Tages im Beratungsraum sitzen, müssen auf diesen Weg begleitet werden. Es gelte, die Kunden mit ihren Ängsten, Wünschen und Bedürfnissen abzuholen. Daher seien Hansaton gut ausgebildete Fachkräfte, am besten im Alter von 40 bis 50 Jahren, wichtig.

"Müssen lernen, Wirtschaft anders zu denken"

Eines kam Stelzer auf seinen Karriereweg immer zugute: „Ich bin unglaublich lebens- und menscheninteressiert.“ Seine Wissbegier tut das ihre hinzu. „Mir war immer wichtig, Handel auch aus einer wissenschaftlichen Ebene heraus zu betrachten. Das lässt sich mit meinem Praxiswissen gut kombinieren.“ Stelzers Drang zur Weiterbildung ist nicht zu Ende: Derzeit schließt er sein Doktorat für Handelsmanagement mit dem Schwerpunkt Rohstoffverknappung ab. Sein Fazit: „Wir müssen lernen, Wirtschaft wieder anders zu denken. Wirtschaft sind wir alle. So sollten wir agieren. Über viele Jahre haben wir über unsere Verhältnisse gelebt.“ Das sei wie ein Kredit. Doch irgendwann sei Zahltag. „Wir werden einmal für diese Überbeanspruchung unserer Mutter Erde bezahlen müssen“, ist Stelzer überzeugt.