Das Mädl, das sich traut, eine Wirtin zu sein
Bild: VOLKER WEIHBOLD

Das Mädl, das sich traut, eine Wirtin zu sein

Von Karin Haas

Petra Strauß (25) übernimmt den väterlichen Gasthof in Ansfelden/Freindorf mit 800 Sitzplätzen.

Es ist so etwas wie ein gastronomisches Schlachtschiff mit allem Drum und Dran und eine Institution nicht nur in Ansfelden/Freindorf. "Der Strauß" an der Traunuferstraße 21 hat insgesamt 800 Sitzplätze, verteilt auf die Gaststube, zahlreiche Stüberl, Speisesaal, Wintergarten, Gastgarten und einen Ballsaal mit Galerie.

Seit Juli hat dort eine junge Wirtin das Sagen. Petra Strauß (25) hat von ihrem Vater Johann Strauß übernommen, der dort 44 Jahre der Herr im Haus war. "Hätte ich es nicht genommen, wäre es verkauft worden", sagt Petra Strauß trocken. Und: "Papa, ich kann selber sprechen", wenn der Senior versucht, im Interview mit den OÖNachrichten mitzumischen.

Von der KPMG an die Schank

Petra Strauß ist Wirtin, und was für eine. Sie ist 25 Jahre jung, hat einen Bachelor für Unternehmensführung (Fachhochschule Krems) in der Tasche und war vier Jahre in der Wirtschaftsprüfung bei der KPMG in Linz tätig. "Den Prüfungsleiter wollte ich nicht mehr machen", sagt die Neo-Wirtin.

Statt trockener Akten und Auftritten in Business-Kostümen entschied sich die Leondingerin vor zwei Jahren für Wirtshausluft und Gästewitze. Sie ging ins väterliche Wirtshaus, um sich einzuarbeiten in diesem mächtigen Vierkanter, in denen Backhendl, Hirschbraten und Schnitzel dominieren und sonntags Nostalgietänzer ein- und ausgehen, die gut und gerne in eine ORF-Spira-Alltagsgeschichte passen würden.

Das alles will "die Neue" nicht ändern; aber sie rührt trotzdem kräftig um. Seit Mitte Juli wurde kräftig renoviert (Wögerer Gastro-Einrichtung in Wolfern). Seit Samstag, 29. Juli, ist wieder offen. Die Gaststuben warten mit neuen Vorhängen, neuen Bezügen, neuen Lampen und neuer Decke auf. Der Saal wurde aufgefrischt. "Den Tanzboden mit Parkett gibt es noch, und es wird ihn immer geben", sagt die Neo-Wirtin.

Auch eine weitere Sorge ist unbegründet: "Wir werden immer ein Wirtshaus mit bodenständiger Küche bleiben. Hauben will ich nicht. Dafür ist das Wirtshaus zu groß."

Auch der Alltag als Chefin mit zwölf Mitarbeitern hat Petra Strauß bereits eingeholt. Sie kämpft mit den gleichen Personalproblemen wie andere Wirte. "Wer jammert, muss sich selbst an der Nase nehmen", sagt sie.

Auch wenn das Gastronomische so bleibt, wie es war, und "selbstverständlich" Wild aus dem Revier des Senior-Bruders Karl Strauß weiter auf der Karte steht, wird doch etwas neu.

Im nigelnagelneuen Wintergarten wird es "Themenabende" geben: Freitag, 22. September, einen Cocktailabend und am 6. Oktober eine Bierverkostung. Oder darf es der Ansfeldener Genusslauf am 24. September sein, den die neue Strauß-Wirtin organisiert? Ab 9 Uhr geht es sportlich mit Labestationen bei sechs Wirten rund.

 

Wirtshaus mit Geschichte

Der Gasthof Strauß in Ansfelden/Freindorf geht auf ein Bauernwirtshaus in einem mächtigen Vierkanter um das Jahr 1906 zurück. 1973 hat es Johann Strauß (er lernte im legendären Theatercasino von Leo Kastler sen. in Linz) von seinen Großeltern übernommen.1956 baute er einen Saal, wo früher die Kegelbahnen waren. Bruder Karl Strauß liefert Wild aus eigenem Revier. Johann Strauß führte das Gasthaus 44 Jahre bis Ende Juni. Seine Gattin Sieglinde, die er im Wirtshaus kennenlernte, starb 2011. Tochter Petra Strauß hat Anfang Juli 2017 übernommen.