Bild: Dynatrace // Die Unternehmerin Sok-Kheng Taing

Einst geflüchtet - heute Unternehmerin

Sok-Kheng Taing baute in Oberösterreich die Firma Dynatrace auf und hilft jetzt Start-ups.

Jänner 1980: Die sechsjährige Sok-Kheng Taing aus Kambodscha ist mit Eltern, Bruder und zwei Tanten in einem Auffanglager in Thailand. Zuvor waren sie zu Fuß vor dem Schreckensregime der Roten Khmer und dem Guerilla-Krieg in Kambodscha geflüchtet. Im Rahmen der Genfer Flüchtlingskonvention wollen sie in die USA oder nach Österreich. Weil die österreichischen Behörden schneller sind, geht es in die Alpenrepublik.

Familie Taing wird von einer Privatinitiative in Sattledt aufgenommen. Mehrere Familien um Walter und Maria Bachmayr kümmern sich um die Kambodschaner, die Wohnraum und Arbeit bekommen sowie zur Schule gehen können.

Mit viel Ehrgeiz entwickelt

"Meine Eltern wollten in Frieden leben, ich bin hier glücklich auf dem Land aufgewachsen", sagt Sok-Kheng Taing in fließendem "Oberösterreichisch". Seit ihrer Ankunft ohne Habseligkeiten hat sie sich mit viel Ehrgeiz zur erfolgreichen Unternehmerin und Investorin sowie zu einem Beispiel für gelungene Integration entwickelt.

Nach dem BWL-Studium an der Linzer Kepler-Uni war für Taing klar, dass sie "mit Teams Ideen umsetzen" wolle. Nach einem Job bei einer Werbeagentur wurde sie E-Business-Leiterin bei einer Bürohandelsfirma. Dort entwickelte Taing eine Online-Beschaffungsplattform. Dabei bemerkte sie, dass solche Plattformen optimiert und beschleunigt werden müssen.

Sozialer Frieden ist hohes Gut

Darum gründete sie 2005 mit zwei Partnern die Softwarefirma Dynatrace. Es folgte schnelles Wachstum, Investoren stiegen ein. 2011 kaufte der US-Konzern Compuware die Firma um insgesamt 180 Millionen Euro. Die Gründer hatten beim Verkauf noch einen Anteil von zusammen 30 Prozent. "Die Idee ist aufgegangen, hätte aber auch daneben gehen können", sagt Taing, die mit Ehemann und zwei Kindern in Linz lebt. Es brauche Mut und Leistungsbereitschaft. Diese bewundere sie etwa bei Spitzensportlern. "Es ist diese Mentalität, hart für den Erfolg zu arbeiten."

2014 gründete Taing mit zwei anderen Partnern die Gesellschaft Blue Value, die Jungunternehmer und Start-ups mit Kapital und Know-how unterstützt. Sie hat sich bisher an drei Firmen beteiligt und investiert in andere Initiativen wie speedinvest und startup300. Taing schätzt die Lebensqualität in Österreich. "Ich liebe dieses Land. Der soziale Frieden ist unglaublich." Etwa im Vergleich zu China und USA, wo sie Auslandspraktika absolvierte. Probleme mit gebürtigen Österreichern habe sie kaum gehabt, sagt Taing, die seit 1988 österreichische Staatsbürgerin ist. Ressentiments habe es nur von Personen gegeben, die gar nicht mit ihr in Kontakt getreten seien.

Den Wirtschaftsstandort Österreich sieht Taing positiv, wiewohl die internationale Offenheit ausbaufähig sei. Man ziehe zu wenige ausländische Spitzenkräfte an.

Förderschienen und Inkubatoren für Start-ups gebe es mittlerweile viele, sagt Taing: "Und Jungunternehmer zu sein, ist heute cool. Dieser Imagewandel ist wichtig." Jedoch fehle es weiter an Kapital für die Expansionsphase. Besonders mangle es an Fachkräften im Informatik- und Technikbereich. "Die braucht die Wirtschaft dringend für die Umsetzung von Ideen. Codes verstehen und programmieren – das muss die vierte Kulturtechnik neben Lesen, Schreiben und Rechnen werden." Schon ab Kindergarten oder Volksschule brauche es dafür Zugänge.

  • „Coderdojo“: Kinder für Informatik und Technik begeistern

Sok-Kheng Taing unterstützt auch eine Privatinitiative, die Kinder und Jugendliche für Informatik und Technik begeistern will. Es handelt sich um den Programmierclub CoderDojo im Linzer Wissensturm vom gemeinnützigen Verein Coding Club Linz.

Das ist ein Club, in dem 8- bis 17-Jährige mit Spaß programmieren lernen können. In wöchentlichen Treffen geht es darum, wie man Codes schreibt, Websites entwickelt oder Apps und Spiele programmiert. Es sind keine Vorkenntnisse notwendig, die Teilnahme ist kostenfrei.

Der Verein suche weitere Mentoren, die ehrenamtlich mithelfen, und Sponsoren. „Wir wollen einen Beitrag leisten, damit es mehr Nachwuchs im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, Anm.) gibt“, sagt Taing. Das Leben sei stark von Informationstechnologie geprägt.