Steile Karriere eines Schulversagers

Von Erik Famler

"Mein Beispiel soll Mut machen!" Der Gynäkologe Gernot Tews betreibt in Wels eine Kinderwunsch-Klinik. Die Jugend des erfolgreichen Mediziners war geprägt von schlechten Noten und vielen Fehlstunden.

„Ich habe die Unterschriften meiner Eltern besser beherrscht als sie selbst“, sagt Gernot Tews. Der erfolgreiche Mediziner, der in der Welser Privatklinik Sankt Stefan ein Kinderwunsch-Institut betreibt, beginnt bei den Erinnerungen an seine Schulzeit zu schmunzeln. Als Jugendlicher flog er aus mehreren Schulen, schrieb schlechte Noten und sammelte Hunderte Fehlstunden an, für die er sich selbst entschuldigte – mit Hilfe der von ihm gefälschten Unterschriften seiner Eltern.

„Wer nicht lernen will, muss arbeiten“

Sein Beispiel solle nicht Schule machen, sagt Tews. Es könne aber jenen Mut machen, die als Schulversager abgestempelt werden. Dass er nicht obdachlos, sondern anerkannter Mediziner wurde, verdankt der Linzer seinem strengen Vater: „Wer nicht lernen will, muss arbeiten“, meinte der entnervte Papa zu seinem ältesten Sohn, als dieser nach erfolglosen Anläufen als Gymnasiast und Hauptschüler auch aus der Handelsschule die ersten Fünfer anschleppte: „Erst als Lehrling habe ich Tritt gefasst. Ich habe die kaufmännische Lehre problemlos absolviert und meldete mich 17-jährig in der Arbeitermittelschule an.“ Statt nach viereinhalb Jahren schaffte Tews die Matura in vier Jahren. Das Medizinstudium in Graz absolvierte er unter 400 Studenten nach 9,5 Semestern als Erster.

Seine Berufslaufbahn verlief steil und schnörkellos. Nach Turnus und Facharztausbildung wurde er leitender Arzt an der Frauenklinik Linz. Sein erstes Primariat führte Tews an die Welser Frauenklinik. 2002 wurde er Dozent, 2008 habilitierte er und wurde zum Universitätsprofessor ernannt.

Als ärztlicher Leiter nahm der damals 60-Jährige 2012 seinen Primarshut: „Nach der Fusion der Frauenklinik mit dem Linzer AKH hat die Tagespolitik so sehr in meine Arbeit hineinregiert, dass ich keine Lust mehr hatte.“

Schlichtes Lebensmotto

Tews ließ sich pensionieren und eröffnete kurz darauf im Welser Ärztezentrum St. Stefan ein Kinderwunsch-Institut. Die schwierige Gründungsphase ist längst vorbei, der Reproduktionsmediziner ist zufrieden: „Von 30 österreichweiten Einrichtungen liegen wir mit unserer Schwangerschaftsrate an zweiter Stelle“, ist Tews stolz. Dass er nicht ewig an der Spitze der eigenen Einrichtung stehen wird, ist dem nunmehr 65-Jährigen bewusst: „Ich werde sicher zurückstecken und meinen Job als Senior Consulter ausklingen lassen.“

Diese Einstellung entspricht auch seinem Lebensmotto, das unerwartet schlicht klingt: „Nie vergessen, das Leben auch zu leben.“ Beim Paragleiten sucht der Mediziner „den Kick“. Nach 1500 Flügen, zwei Wirbelbrüchen und einem kaputten Knie (die Verletzungen stammen von verunglückten Landungen), sucht Tews noch immer das Risiko. Gemächlicher verbringt er seine Urlaube – gerne auch auf der Harley quer durch die USA.

Erfolgreiche Kinder

Die vier Kinder des Mediziners haben gute Berufe: „Zwei von ihnen absolvierten wie ich den zweiten Bildungsweg. Leider hat keines in die Medizin gefunden“, bedauert Tews. Seine Empfehlung an die Jugend. „Karriere mit Lehre unter Absolvierung der Matura ist ein Erfolgsgarant. Bis 21 ist mein Privatleben zwar auf der Strecke geblieben. In dieser Zeit habe ich aber gelernt, mich zu organisieren. Und dass Menschen, die nicht an der Spitze stehen, genauso was zusammenbringen.“

Mit der Institution Schule hat sich Tews versöhnt: „Ich habe begriffen, dass die Lehrer nicht die Feinde der Schüler sind und man seine Chance, etwas zu lernen, unbedingt nützen soll.“ Das nachträgliche Aneignen von Kenntnissen sei nämlich ungleich mühsamer, weiß der Mediziner aus Erfahrung.