Bild: V. Weihbold // Die Zigarre ist sein Markenzeichen: Johann Mayr inspiziert seine Völker in einem Rapsfeld in Nettingsdorf.

Beruf Imker: Der Traum vom "süßen Leben"

Von Alfons Krieglsteiner

Johann Mayr, größter Berufsimker erzählt, warum er auf die Bauern gut zu sprechen ist.

Johann Mayr raucht Zigarre, dass es glost und dampft. "Da brauch’ ich keinen Smoker, um meine Bienen ruhig zu stellen", sagt der 63-jährige Berufsimker aus dem Paschinger Ortsteil Wagram. Seit dem Vorjahr ist er in Pension, Sohn Fabian (26) hat den Betrieb übernommen – gut beraten vom Herrn Papa.

25 Stöcke stehen im Garten - eine vielfarbige "Häuserzeile", an deren Fluglöchern es summt und schwirrt. Die Bienen tragen den eiweißreichen Pollen ein. Die Trachtpflanzen kann man an der Farbe der "Pollenhöschen" erkennen: grünlich-gelb färbt der Raps, orange der Löwenzahn.

Es sind die schwächeren von mehreren hundert Bienenvölkern, die der größte der vier oberösterreichischen Erwerbsimker in Pasching unter seine Obhut nimmt. "Sie bleiben da, weil ich daheim auch Bienen um mich haben will und weil sie unsere siebzig Obstbäume bestäuben".

Die meisten Völker wurden hingegen schon "ausgelagert" - in die Traunauen, nach Bad Leonfelden, nach Christkindl bei Steyr (dort ist Johann Mayr aufgewachsen). Überall dort, wo sie viel Futter finden und den Landwirten Bestäuberdienste leisten. Honigproduktion, Verkauf junger Völker, Wachsverarbeitung, das sind die wirtschaftlichen Standbeine. "Die schönen Seiten überwiegen", sagt Fabian.

Doch es gibt auch Probleme: "Früher die Varroamilbe, dann die Vergiftungen." Anfangs war die Ursache noch mysteriös, als Johann Mayr vor zehn Jahren in den Traunauen "über Nacht" alle 40 Völker eingingen. Bald stellte sich heraus: Ein Landwirt hatte mit Neonicotinoiden gebeiztes Saatgut verwendet.

Ganz auf Raps eingestellt

Bis 2013 starben Mayr immer wieder Völker weg. Vor allem die mit Neonics gebeizte Wintergerste in den Traunauen war der Auslöser – über das Wasser und den Staub wurden die Bienen "infiziert".

"Im Mai 2013 hat mich dann der Landwirt besucht, als ich gerade die verseuchten Honigräume vernichten musste, da hat er gesagt: ,Jetzt verstehe ich es‘ – und auf Bio-Anbau umgestellt." Seither gibt es dort kein Bienensterben mehr. "Heuer ,fahren‘ wir erstmals in den Raps, an insgesamt neun verschiedene Plätze", sagt Fabian. Denn Raps ist die ergiebigste Frühjahrstracht. "Und bei keinem einzigen Rapsfeld hatten wir bisher Schäden zu verzeichnen."

Gute Vertrauensbasis

Denn die Bauern würden gut mit sich reden lassen, "so lässt sich eine Vertrauensbasis herstellen". Vier Paschinger Landwirte haben auf "bio" umgestellt – und können auch ohne Chemie existieren. "Viele andere haben die Kulturen gegen den Rapsglanzkäfer am Abend gespritzt, da trocknet das Gift bis zum nächsten Tag ab und stellt für die Bienen keine Gefahr mehr dar." Was nichts daran ändert, "dass Neonics in der Landwirtschaft nichts verloren haben." Umso mehr begrüßt Mayr das erwartete EU-weite Verbot.

Nach der Rapsblüte werden die Völker nach Niederösterreich "in die Akazien" gebracht, dann zur Waldtracht ins Mühlviertel. Ende Juli wird der Honig geschleudert. "Wir vermarkten ihn über den Lebensmittelhandel", sagt Mayr. Und jeden Mittwoch ist seine Frau Christine am Bauernmarkt in der PlusCity: "Die Nachfrage ist groß – auch dank der neuen OÖN-Serie."