Bild: OÖN // Elisabeth Vogl mit ihrem Vorgänger, Herbert Schauer (l.), und Co-Geschäftsführer Michael Thumfart.

Von der Café- zur Unternehmenschefin

Von Josef Lehner

Die Eferdingerin Elisabeth Vogl leitet nun das Familienunternehmen Schauer Agrotronic.

Seit ihrem 18. Lebensjahr ist Elisabeth Vogl Unternehmerin. Damals musste sie wegen eines Todesfalls die gleichnamige Café-Konditorei ihrer Familie am Eferdinger Stadtplatz übernehmen. Mit 40 wurde sie nun zur Geschäftsführerin des unternehmerischen Herzstücks des Familienverbands Schauer-Vogl, der Firma Agrotronic in Prambachkirchen, gekürt.

Damit leitet die zweifache Mutter einen Produktionsbetrieb mit 280 Beschäftigten, der Stallbautechnik entwickelt, baut und weltweit verkauft – von China bis in die USA. Die Doppelbelastung Familie und Beruf sei für sie nichts Besonderes: "Das bin ich vom Café gewohnt, mich kann kaum etwas aus der Bahn werfen", sagt die junge Managerin. Das Café sei ihr "Trainee-Unternehmen" gewesen.

Ohne Erfahrung sei sie gleich nach der Matura hineingeworfen worden. Parallel habe sie wegen der erforderlichen Konzession die Tourismusschule Kleßheim absolviert und anschließend das Studium der Betriebswirtschaft in Linz.

Verkauf außer Diskussion

Vergangenes Jahr sei sie schließlich vor der Entscheidung gestanden, von Herbert Schauer die Geschäftsführung der gleichnamigen Stallbautechnik in Prambachkirchen zu übernehmen. Der 65-Jährige wollte sich nach 25 Jahren an der Spitze in den Ruhestand zurückziehen. Da die anderen Kinder der Eigentümerfamilien Schauer und Vogl in anderen Ländern bzw. Branchen tätig sind, ist die Wahl auf Elisabeth gefallen.

"Es hat auch Kaufangebote gegeben, aber das ist für uns nicht in Frage gekommen", sagt Herbert Schauer. Er hält weiterhin 50 Prozent der Firmenanteile, die anderen 50 sind bei den Eltern von Elisabeth, Helga Vogl (68), geborene Schauer, und Gerhard Vogl (69).

An der Seite der jungen Chefin steht als Geschäftsführer Michael Thumfart (49), der das Unternehmen schon seit einem Jahrzehnt gemeinsam mit Herbert Schauer geführt hat.

2017 raus aus der Krise

Das Familienunternehmen ist in den 2000er-Jahren auf 330 Beschäftigte gewachsen, mit mehr als 45 Millionen Euro Umsatz. 2013 wurde dann wegen eines Absatzeinbruchs eine Schrumpfkur gestartet. 2014 und 2015 wurden Verluste geschrieben. Der Umsatz sank bis 2016 auf 32 Millionen Euro, die Belegschaft auf 256 Köpfe. 2017 begann ein neuer Aufschwung mit 36,5 Millionen Euro, heuer sollten es knapp 40 werden.

Mehr Tierwohl bringt Stallbauern Aufschwung

Sinkende Viehpreise und unklare gesetzliche Auflagen in der Tierhaltung ließen ab 2012 das Geschäft in der Agrartechnik einbrechen. 2017 begannen die Bauern wieder zu investieren, und weil in den Ställen auf mehr Tierwohl geachtet werden muss, besteht Aufholbedarf. Die Auftragsbücher bei Agrotronic Prambachkirchen sind voll. „Großprojekte, die Investoren jahrelang aufgeschoben haben, müssen jetzt rasch realisiert werden“, sagt Elisabeth Vogl.

Der Unternehmensname sagt schon, dass es um moderne Technik geht. Schauer ist internationaler Schrittmacher bei der Automatisierung von Ställen, mit Räum- und Fütterungsrobotern sowie Klima- und Emissionssystemen. „Für unsere Kunden geht es einerseits um Arbeitserleichterung, andererseits um Rücksichtnahme auf Anrainer“, sagt Vogl. Digital Farming lautet das Thema.

Schauer-Techniker analysieren das Tierverhalten und stimmen die Technik darauf ab. Die Exportquote beträgt zwei Drittel, der Vertrieb erfolgt bis Südkorea und Kanada. Deutschland, Russland, Ungarn und Spanien sind in Europa große Nachfrager. Schauer ist spezialisiert auf Schweine-, Rinder- und Pferdeställe.