Bild: opilomed // Patent aus Steyr zum Haarefärben. Ronald Gruber jubelte noch im Vorjahr über geglücktes Crowdfunding

Kopfhautschützern gingen finanziell die Haare aus

Von Hannes Fehringer

Für Klammern, die die Kopfhaut beim Haarfärben vor Giftstoffen schützen, hat Friseur Ronald Gruber sogar ein US-Patent. Kosmetikindustrie interessierte die Erfindung wenig.

Bei pechschwarzen Locken und wasserstoffblonden Haaren muss Schönheit leiden. Manche Färbemittel lösen auf der Kopfhaut Juckreiz aus, aggressive Stoffe dringen durch die Hautporen in den Körper ein.

Produktlinie "opilomed"

Gegen die Gesundheitsbelastung und Unannehmlichkeiten hat der Steyrer Friseur Ronald Gruber ein Mittel gefunden: kein weiteres Wässerchen und keine Chemie, sondern ein Werkzeug, "das wie Schere und Lockenwickler in keinem Salon mehr fehlen sollte", wie er meinte. Gruber hat von einer Ternberger Firma Plastikklammern erzeugen lassen, die den Kunden beim Färben einfach ins Haar gesteckt werden und jeden Kontakt der Flüssigkeit mit der Kopfhaut unterbinden. Für die Produktlinie "opilomed" hat Gruber gemeinsam mit seinem Prokuristen Peter Hanke aus Dietach die Finanzkraft der wachsenden Fan-Gemeinde der "Kopfhautschützer" genützt und über die Crowdfunding-Plattform www.conda.at 248.200 Euro Kapital gesammelt.

Hohe Bilanzverluste

Das nun aufgezehrt ist: Gruber und Hanke haben zwar unermüdlich andere Friseurgeschäftsinhaber als Benutzer der Spezialkämme von "opilomed" fürs Haarefärben gewonnen und auf das Tool eingeschult. Reich wurde damit die "Grooba Trading GmbH" im Mehrheitseigentum von Ronald Gruber aber nicht, über die die Weltneuheit von "opilomed" vertrieben wird. Nach einem Gläubigerantrag musste die Handelsfirma jetzt Konkurs anmelden. Nach Bilanzverlusten von 325.687,12 Euro (2016) und 244.006,34 Euro (2015) wollte man 2017 mit einem Crowdfunding noch einmal durchstarten. Fraglich ist, ob die 132 Investoren bei einem maximalen Zeichnungsbetrag von 5000 Euro ihr Geld wiedersehen werden. Wenngleich derzeit noch keine Vermögensaufstellung vorliegt, geht Masseverwalter Norbert Mooseder davon aus, dass das Unternehmen nicht mehr weitergeführt werden kann. Dass den Kopfhautschützern finanziell die Haare ausgingen, führt er auf ein geringes Interesse der Kosmetikindustrie an der Erfindung aus Steyr zurück. "Die mit dem an sich genialen und für die Gesundheit höchst begrüßenswerten Schutzgerät verbundene Botschaft, dass es Haarfärbeprodukte gibt, die alles andere als unproblematisch sind, will wohl kein Hersteller weiter verbreiten".

Gute Idee - finanziell gescheitert

Vorschrift ist, dass auf jeder Packung die Konsumenten hingewiesen werden, an einer unbedenklichen Körperstelle die Färbemittel an der Haut vor der Kopfwäsche auszuprobieren und auf etwaige Allergien abzutesten.

Eine gute Erfindung und ein damit verbundenes zukunftsträchtiges Start-up scheint damit gescheitert. Selbst die Möglichkeiten, die Patente im Sinne der Gläubiger zu Geld zu machen, sieht Mooseder beschränkt. Andererseits kommen nämlich auch immer mehr Färbemittel auf Naturbasis auf den Markt, die keine Gesundheitsbelastung und Allergien mehr bedeuteten.