Regional verankert im Weltkonzern

Regional verankert im Weltkonzern

Von Susanna Sailer

Michael Freese: Einst Lehrling, heute Regional-Verkaufsleiter bei Coca-Cola HBC

Michael Freese arbeitet für einen Weltkonzern und ist dennoch in seiner Heimat verankert geblieben. Der gebürtige Welser ist Regional-Verkaufsleiter für Coca-Cola HBC Österreich und in dieser Funktion für rund 11.000 Gastro-Kunden in Oberösterreich und Teilen Niederösterreichs zuständig.

Ihm untersteht ein 22-köpfiges Mitarbeiterteam, das in Asten seinen Stützpunkt hat. Bei Coca-Cola arbeitete sich der heute 37-Jährige als regionales Nachwuchstalent binnen weniger Jahre nach oben.

Am Beginn seiner Berufslaufbahn stand jedoch eine Lehre in der Welser Filiale von Intersport Eybl. Dort wurde Freese zum Einzelhandelskaufmann ausgebildet. "Es war mein Glück in jungen Jahren, dass mir schnell bewusst war, dass der Verkauf das Richtige für mich ist", sagt Freese heute. Hinzu kam sein sportlicher Ehrgeiz, den der begeisterte Basketballspieler und Mitglied des FCN Baskets Wels ins Berufsleben übertrug. "Am Sport und am Verkauf gefällt mir, dass man an seinen Resultaten gemessen wird."

Netzwerk in Zentrale spinnen

Bei Intersport Eybl blieb Freese fast zehn Jahre, zuletzt war er Abteilungsleiter-Stellvertreter. Dann stieg er bei Coca-Cola in den Außendienst ein. "Mich reizte, dort flexibler und eigenverantwortlicher agieren zu können." Nach drei Jahren als Kundenberater in Oberösterreich wurde er Verkaufsleiter – mit 26 Jahren der jüngste in einer derartigen Führungsposition bei Coca-Cola Österreich.

Fünf Jahre blieb er das auch, bis ihn der Weg nach Wien führte. Dort befindet sich die Österreich-Zentrale von Coca-Cola. Freese: "Das war für mich die Chance, mehr vom Headquarter mitzubekommen, als das von einer Region aus möglich gewesen wäre." Sein Tipp, um als regionales Nachwuchstalent mehr in Karriereplanungen eingebunden zu werden: "Es ist wichtig, verschiedene Stationen zu durchlaufen und auch einmal im Headquarter zu arbeiten, um sich ein internes Netzwerk aufzubauen." Nur so erschließe sich einem, welche Zahnräder ineinandergreifen.

Heuer im Frühsommer kam Freese als regionaler Verkaufsleiter zurück nach Oberösterreich – auch aus einem privaten Grund: Im Jänner 2019 wird er zum ersten Mal Vater.

Als Chef strategisch denken

Das Argument, der beste Verkäufer müsse nicht unbedingt der ideale Kandidat für einen Chefposten sein, kann Freese unterstreichen. "Ein Chef muss aus dem Operativen heraus und strategisch denken." Zudem brauche es Organisationstalent und die Fähigkeit, ein Team zu managen und weiterzuentwickeln. Gute Verkäufer seien extrovertiert, ehrgeizig und stünden gerne im Rampenlicht. "Das kann ich als Führungskraft nicht machen, sonst demotiviere ich mein Team", weiß Freese. Es gelte, die Bühne anderen zu überlassen und Verantwortung zu übergeben. "Ich muss das Vertrauen in meine Mitarbeiter haben, dass sie es ohne mich schaffen."

Wer seine Karriere plane, brauche dafür Geduld – eine Tugend, die Freese bei vielen Uni-Absolventen vermisst. "Junge Akademiker sind oft getrieben und wollen rasch die Karriereleiter erklimmen. Es liegt an uns Führungskräften, diese Erwartungshaltung zu managen. Aber jeder sollte gewisse Tätigkeiten über einen längeren Zeitraum ausüben, um Erfahrungen zu sammeln."