Von der Lehrwerkstatt in die internationale Inbetriebnahme

Von Stefan Minichberger

Philipp Lengauer absolvierte bei Engel in Schwertberg eine Lehre zum Maschinenbau-Techniker. Heute nimmt er für das Unternehmen weltweit Großmaschinen in Betrieb.

Eines war Philipp Lengauer von Kindheit an klar. „Ich war immer ein Praktiker. Ich wollte immer Sachen angreifen.“ Das war auch der Grund, weshalb der Mauthausner nach der Hauptschule die Fachschule für Elektrotechnik in Linz nach nur einem Jahr abbrach. „Ich wollte einfach nicht mehr in der Schule sitzen.“ In einem Zeitungsbericht hatte er über die Möglichkeit der Lehrlingsausbildung beim Maschinenbauer Engel gelesen. „Das war im Frühjahr 2007“, erinnert sich der heute 26-Jährige und er habe sofort gedacht: „Das ist genau meins!“

Er begann im September 2007 eine Lehre als Maschinenbau-Techniker bei Engel in Schwertberg. Elf Jahre später weiß Lengauer, dass er für sich damals die richtige Entscheidung getroffen hat. „Es ist spannend, in einer großen Firma zu arbeiten, die sich ständig weiterentwickelt.“ Das erste Jahr verbrachte er großteils in der Lehrwerkstätte des Unternehmens. „Meistens hatten wir vormittags Unterricht und nachmittags Praxis“, berichtet der Mauthausner. Wobei ihm die Schule als Lehrling naturgemäß nicht ganz erspart blieb. „Die Berufsschule habe ich in Schärding absolviert. Dort lebte ich für 10 Wochen im Internat.“

Lehrlings-Award als Auftrieb

Während des zweiten Lehrjahrs begann Lengauer, verschiedene Abteilungen zu durchlaufen. „Ich war beispielsweise in der Reparatur und in der Vormontage.“ Die erste Auszeichnung für seine Arbeit
bekam er 2009 beim Lehrlings-Award in Linz. „Dort landete ich unter 800 Teilnehmern auf dem zweiten Platz der Maschinenbau- Techniker.“ Dies gab ihm weiteren Auftrieb für die restliche Lehrzeit. Nach dreieinhalb Jahren schloss er seine Lehre schließlich als bester Lehrling seines Jahrgangs mit ausgezeichnetem Erfolg ab. Als
Belohnung gab es von der Firma einen Trip nach China.

„Wir durften zu zweit von Mai bis Juli 2011 im Engel-Werk in Shanghai mitarbeiten“, erinnert er sich gerne an seinen ersten Auslands-Einsatz zurück: „Wir hatten ein eigenes Apartment und haben das erste Mal alleine gewohnt. In einer Stadt wie Shanghai war das natürlich sehr aufregend.“

Als „Praktiker“ in seinem Element

Lengauers Karriere bei Engel schien vorgezeichnet. Unterbrochen wurde sie nur vom Zivildienst, den er bei der Volkshilfe absolvierte. Aber auch da war der „Praktiker“ in seinem Element. „Ich habe für den Revital- Shop in Schwertberg alte Möbel wieder instand gesetzt.“ Als er damit fertig war, fing er im Mai 2012 im Engel-Werk in St. Valentin in der Endmontage an. „Nach nur einem Monat kam der Chef zu mir und sagte, dass er ein Riesenpotential in mir sieht.“

Prompt wechselte der Neuling zur Großmaschinen- Inbetriebnahme, so etwas wie die Königsdisziplin unter den Technikern. „Hier muss man von der Elektrotechnik bis zur Hydraulik alles rund um die Maschine
beherrschen“, sagt Lengauer. Von der Koordinierung der Anlieferung über das Zusammensetzen der Einzelteile bis zur Übergabe der Maschine an den Kunden reicht das Aufgabengebiet.

Internationale Montage-Einsätze

Was für den Mauthausner zusätzlich interessant ist: Montage-Einsätze führen regelmäßig ins Ausland, wo er in Zwei oder Dreimann-Teams die Leitung innehat. „Das erste Mal war ich 2013 in Frankreich für einen Kunden in der Autozulieferindustrie“, sagt Lengauer. Fünf Wochen dauerte der Einsatz. „Das ist Standard, in Ausnahmefällen kann es aber sieben bis zehn Wochen dauern.“ Der Maschinenbau- Techniker trägt dabei viel Verantwortung. „Qualität und Sicherheit der gesamten Maschinenanlage müssen CE-konform sein, dafür muss ich nach der Endproduktprüfung unterschreiben“, sagt der 26-Jährige, der mittlerweile bereits über reichlich Auslandserfahrung verfügt. Etwa zweimal pro Jahr geht es auf Auslandsmontage.

2014 verbrachte er acht Wochen in Siegen in Deutschland. 2015 ging es erstmals nach Übersee. In den sieben Wochen im US-Bundesstaat Tennessee wurde nicht nur für einen renommierten Autozulieferer eine Großmaschine in Betrieb genommen. Die Zeit reichte auch dafür, an Wochenenden das nahe „Rocket & Space-Center“ zu besuchen, sich auf Spurensuche der amerikanischen Musikgeschichte zu begeben und eine Führung in einer Jack-Daniels-Whisky-Destillerie zu machen.

„Man lernt bei den Auslandseinsätzen sehr viel über die Kultur des Landes. Wir arbeiten intensiv mit den Einheimischen zusammen und die zeigen uns in der Freizeit viel von ihrem Land.“ So geschehen 2016, als Lengauer fünf Wochen in Valencia verbrachte. „Eine wunderschöne Stadt.“ Zwar sei es oft nicht ganz leicht, Sprachbarrieren zu überwinden, doch seien die ausländischen Mitarbeiter der Kunden immer bemüht und freundlich. „Wir werden an Wochenenden auch mal zum Grillen eingeladen.“

„Ferraris“ unter Spritzgussmaschinen

Da helfe es auch, dass die Engel-Produkte als „Ferraris“ unter den Spritzguss-Maschinen gelten. „Die Vorfreude der Kunden auf die Maschinen ist groß. Dementsprechend wird darauf geschaut, dass sie uns so gut wie möglich unterstützen und wir das Produkt so schnell wie möglich in Betrieb nehmen können.“ Auf der anderen Seite seien auch die Erwartungen hoch, die man erfüllen muss. „Man muss konzentriert arbeiten, denn die Zeit ist immer knapp kalkuliert.“ Das gelte insbesondere bei der Planung im Vorhinein. „Bei Einsätzen in Übersee werden die Teile mit dem Schiff transportiert. Da ist es sehr wichtig, alles dabeizuhaben.“

2017 war Lengauer für sechs Wochen in Porto. Heuer war er erstmals auf Montage in Buenos Aires, der Hauptstadt Argentiniens. Dort wurde er auch von Freunden besucht. „Das war eine schöne Zeit, auch
wenn die Wochen ohnehin immer wie im Flug vergehen, weil so viel zu tun ist.“ Für seine Frau seien seine Auslandseinsätze hingegen eine Herausforderung. „Das ist nicht einfach, gerade wenn ich in Übersee bin und da es mit der Zeitverschiebung auch nicht so leicht ist regelmäßig zu telefonieren.“ Deshalb belässt es der Maschinenbau- Techniker auch bei zwei Einsätzen pro Jahr.

Ausgleich zu seinem Job findet Lengauer bei der Feuerwehr Mauthausen, wo er Löschmeister ist, und beim Mountainbiken. Beruflich geht er ohnehin seiner Traumbeschäftigung nach. „Man entwickelt sich ständig weiter, lernt nie aus und hat viel mit verschiedenen Leuten zu tun.“ Und eines gefällt ihm ganz besonders: „Bei dieser
Arbeit muss man technisch einfach alles können".