Tastatur statt Pinsel: Vom Maler und Anstreicher zum Software-Ingenieur

Vom Maler und Anstreicher zum Software-Ingenieur

Von Daniela Ullrich

Thomas Herzog holte die Matura und ein Studium nach für bessere Jobaussichten.

Er hätte es auch einfacher haben können, aber in jungen Jahren war für Thomas Herzog das Geldverdienen wichtiger als eine solide Ausbildung.

Der gebürtige Kärntner schmiss die HTL in Klagenfurt nach nur drei Monaten und wechselte anschließend in den polytechnischen Lehrgang, um die neunte Schulstufe "irgendwie hinter sich zu bringen".

Anschließend startete er etwas planlos ins Berufsleben: "Ohne viel nachzudenken, hat sich die Malerlehre einfach so ergeben. Mir war nur wichtig, dass ich so schnell wie möglich weg von der Schulbank komme", sagt der heute 38-Jährige, der 14 Jahre lang als Maler und Anstreicher in verschiedenen Betrieben tätig war.

Sein Traumjob war das nicht. Die körperliche Anstrengung, die harten Bedingungen und die schlechte Entlohnung ließen schon nach neun Jahren den Wunsch nach einem Wechsel aufkommen. Erstes Ziel war die Matura: "Ich hatte aber schnell das Gefühl, dass die ,normale‘ zu wenig ist, also entschied ich mich für die HTL-Nachrichtentechnik-Matura", sagt Herzog, der von da an fünf Jahre lang berufsbegleitend wieder an die Schule zurückkehrte.

"Manchmal fragte ich mich schon, wie blöd ich als junger Bub eigentlich war, denn Beruf und Schule unter einen Hut zu bringen, war eine Riesenherausforderung. Mein Tag begann um sechs Uhr früh und endete oft nach Mitternacht", sagt Thomas Herzog, der getrieben vom Willen nach einer neuen Karriere tapfer durchbiss.

Im letzten Schulsemester kündigte er seinen Malerjob, um sich optimal auf die Matura vorbereiten zu können. "Ich war topmotiviert, schon allein, weil ich meine ganze Freizeit der Schule unterordnete, um mein Ziel zu erreichen", sagt Herzog, der 2010 voller Stolz mit nur acht weiteren Kollgen maturierte: "Viele hielten nicht bis zum Schluss durch."

Neues Glück in Oberösterreich

Seine neue berufliche Herausforderung fand der frischgebackene Maturant in Linz als Software-Ingenieur bei der Firma curecomp. Schnell tauchte er in die Welt des Programmierens ein und entschied sich für eine weitere Ausbildung: An der FH in Hagenberg absolviert er von 2013 bis 2016 das berufsbegleitende Bachelorstudium und hängt 2016 auch noch das Masterstudium dran, das der Wahloberösterreicher als Master of Science in Engineering (MSc) heuer abschließen wird.

Arbeiten in der Komfortzone

Jobmäßig ist der 38-Jährige seit 2017 bei der Firma Gepardec in Linz im wahrsten Sinne angekommen: "Mir taugt mein Beruf sehr. Abgesehen davon, dass ich immer im Trockenen und Warmen sitze, ist der Aufgabenbereich interessant und fordernd. Es tut sich viel, gibt immer etwas Neues. Mir gefällt die Abwechslung der Aufgabenstellungen und das erforderliche abstrakte Denken", sagt Herzog, der seinen Karriereweg rückblickend betrachtet gar nicht so schlecht empfindet.

"Berufserfahrung ist Berufserfahrung. Und ich weiß das komfortable Arbeitsumfeld sehr zu schätzen, denn ich kenne es auch anders", sagt der Software-Ingenieur, der jungen Leuten Mutmachen möchte: "Nicht gleich die Schule schmeißen, wenn es einmal ungemütlich wird – durchbeißen und dranbleiben, wenn einen der IT-Bereich wirklich interessiert."