Bild: Greiner Holding // Axel Kühner weiß wie Karriere geht

Leidenschaft bedeutet Leistungsbereitschaft

Von Maria Csar (Sonderthemen-Redaktion)

Axel Kühner, Vorstandsvorsitzender der Greiner AG, über Einsatz, Chancen und Unterstützung auf dem Weg ins Top-Management.

Mehr zu arbeiten als alle anderen und immer das zu machen, was Spaß macht – das sind für Axel Kühner, Vorstandsvorsitzender der Greiner AG mit mehr als 10.000 Mitarbeitern weltweit, entscheidende Faktoren für seine Karriere.

OÖN: Als Vorstandsvorsitzender der Greiner AG mit mehr als 10.000 Mitarbeitern haben Sie eine Top Position inne. Haben Sie sich als Jugendlicher so eine Karriere erhofft?
Axel Kühner: Um ehrlich zu sein war es für mich lange unklar, was ich genau machen will. Natürlich hat jeder als Jugendlicher einen Traum. Ich wollte beispielsweise immer Arzt werden, aber da ich kein Blut sehen kann, ist es beim Traum geblieben. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mich für einen Weg entschieden habe, klar war, es muss abwechslungsreich und cool sein. Ich habe dann Wirtschaftsinformatik studiert. Das war eine leidenschaftlich motivierte Entscheidung zwischen der Technologie und dem eher generalistischen Management.

Wie sieht Ihr Arbeitstag aus?
Ich bin sehr viel unterwegs, das heißt, es gibt zwei Arten von Arbeitstagen. Bürotage sind von Meetings geprägt, am Abend folgt oft noch ein Essen mit Partnern oder eine Veranstaltung. Wenn ich unterwegs bin, ist es ähnlich: Ich bin auf Firmenbesuch oder in Verhandlungen mit anschließendem Abendprogramm. Was alle Tage gemeinsam haben ist, dass sie um 8 Uhr beginnen und um circa 22 Uhr enden. Um dabei fit zu bleiben, habe ich es mir zum Ziel gesetzt, mindestens drei Mal pro Woche Sport zu betreiben, das brauche ich als Ausgleich. Mein Wochenende ist für meine Familie reserviert.

Mit welcher Ausbildung haben Sie Ihre Karriere begonnen und warum haben Sie sich für diesen Weg entschieden?
Ich habe in Deutschland Wirtschaftsinformatik studiert. Als ich 1991 begann,
war das ein ganz neues Studium und ich fand die Kombination aus Informatik und Wirtschaft spannend. Es war ein sehr praxisorientiertes Modell, im Rahmen dessen man sein Studium bei einem Unternehmen absolviert. Dieses bezahlt für die Ausbildung, im Gegenzug macht man alle Praktika dort. Das hat den Vorteil, dass man das Studium in sehr kurzer Zeit abschließen und gleichzeitig Berufserfahrung sammeln kann. Ich habe mein Studium damals bei Mercedes-Benz gemacht und bin danach dort geblieben.

Wie gelang der Einstieg ins Berufsleben?
Der Einstieg war durch das Studium aufgelegt. Ich habe mich nach dem Studium für ein Trainee-Programm bei Mercedes-Benz entschieden. Das war eine gute Chance, um meine Stärken zu entdecken.

Haben Sie im Laufe Ihrer Karriere hin und wieder die Richtung gewechselt oder sind Ihnen Zweifel gekommen?
Nein, ich habe immer nur gemacht, was mir Spaß macht. Weil ich der Überzeugung bin, wenn man etwas gerne tut, dann macht man es auch gut. Oder anders rum, wenn man etwas tut, das keinen Spaß macht, kann man auch nicht gut darin sein. Insofern habe ich darauf geachtet, diesen Grundsatz beizubehalten. Und dann braucht man noch das notwendige Quäntchen Glück.

Wie haben Sie Ihre Karrieresprünge gemeistert? Gab es Unterstützung?
Ja, es gab Menschen, die mich kannten und gefördert haben. Und was auch wichtig ist, ich hatte immer Mentoren, von denen ich lernen konnte. Natürlich muss man gute Leistungen bringen, aber es braucht auch
jemanden, der bereit ist, einem eine Chance zu geben.

Welche Faktoren oder persönlichen Eigenschaften haben eine Rolle gespielt, dass Sie heute diese Position einnehmen?
Leistungsbereitschaft ist sicherlich wichtig, ich habe immer sehr viel gearbeitet. Ich versuche mir keine Schwächen zu leisten, bei all jenen Dingen, die man im Management
braucht. Gleichzeitig habe ich sehr gute Antennen für Menschen und weiß, dass es darauf ankommt, gute Teams zu bilden. Einen wesentlichen Anteil an meinem Erfolg hat meine Frau, wir ziehen an einem Strang und sie hat mich immer unterstützt. Wir sind beispielsweise gemeinsam elf Mal umgezogen, das mitzumachen
ist keine Selbstverständlichkeit.

Welche Werte sind für Sie wichtig?
Die Wichtigsten sind Offenheit und Wertschätzung. Offenheit bedeutet Ehrlichkeit sowie die Bereitschaft, Dinge aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu sehen und Neues auszuprobieren. Wertschätzung heißt, alle Menschen gleich zu behandeln, egal in welcher Position man ist. Freundlich und höflich zu sein, das sind für mich ganz essentielle Eigenschaften, da haben wir es mit den menschlichen Grundwerten zu tun.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Mitarbeiter aus?
Offenheit und Wertschätzung sind mir nicht nur bei mir selbst, sondern auch bei meinen Mitarbeitern wichtig. Ein weiteres wesentliches Kriterium ist Leistungsbereitschaft. Im Business ist es wie im Sport oder in der Musik. Es reicht nicht aus gut zu sein, man muss hart arbeiten und auch ein bisschen Glück haben, um es zu schaffen.

Welchen Rat geben Sie Menschen, die über ihr Berufsleben nachdenken oder an ihren Karrierewegen arbeiten?
Es gibt drei zentrale Fragen, die man sich stellen muss: Was kann ich? Was wird am Markt gebraucht? Und wofür wird bezahlt? Man muss in Einklang bringen, was man kann und was im Unternehmen einen Wert hat. Kombiniert man das mit der entsprechenden Leidenschaft – wobei Leidenschaft Leistungsbereitschaft bedeutet – dann ist man am besten Weg seine Ziele zu erreichen