Walter Scherb (Spitz)
Bild: Alexander Schwarzl // Nach Jahren in London ist Walter Scherb jun. nach Attnang zurückgekehrt.

"Das Unternehmen Spitz ist Teil meiner DNA"

Von Susanne Dickstein

Mit Jahresbeginn wird Walter Scherb jun. als dritte Generation den Lebensmittelerzeuger führen.

Schon als Bub mit sechs Jahren war er mit Vater und Großvater dabei, als der neue Waffelofen installiert wurde. Nach Jahren im Ausland übernimmt Walter Scherb junior nun kommenden Monat die Geschäftsführung des Lebensmittelerzeugers Spitz in Attnang-Puchheim. Der Heimkehrer will das Familienunternehmen auf Wachstumskurs halten.

Gut 250 Millionen Euro hat Spitz zuletzt Umsatz erzielt. Für das mit März 2019 zu Ende gehende Geschäftsjahr rechnet Scherb mit einem einstelligen Plus. Alle drei Divisionen – von Getränken über Backwaren bis hin zu Süß-Sauer – würden zulegen. "Mein Ziel für die kommenden Jahre ist ein nachhaltiges Wachstum. Ich plane nichts Utopisches", sagt Scherb. Am Stammsitz werde derzeit ein hoher zweistelliger Millionenbetrag in Technologien investiert. Auch Übernahmen dürften sich in absehbarer Zeit wieder ergeben. "Wir führen laufend Gespräche, gehen das aber immer sehr locker an." Bevorzugt handle es sich um Markenunternehmen in Familienbesitz, weil sie nahe an der Spitz-Kultur seien. Bekannte Zukäufe in der Vergangenheit waren der Tortenecken-Hersteller Auer-Blaschke sowie die Mineralwassermarke Gasteiner. Für Letztere war Scherb nach einem Einstieg ins Familienunternehmen auch verantwortlich.

Lehrjahre bei McKinsey

Der 29-Jährige hat an der London School of Economics studiert und seinen Master in Finanzierung absolviert. Für das Beratungsunternehmen McKinsey war er dann weltweit unterwegs. Die Rückkehr nach Attnang-Puchheim sei ihm dennoch nicht schwer gefallen. "Das Unternehmen Spitz ist Teil meiner DNA." Zudem biete die Lage der Produktion einen großen Vorteil. "Es gibt wenig Ablenkung", ergänzt Scherb lachend.

20 Jahre lang wurde der Nahrungsmittelproduzent extern von Josef Mayer geführt. Scherb bezeichnet ihn als Mentor: "Josef Mayer ist ein erfahrener Manager und hat eine sehr gute Basis für das Wachstum gelegt." Dass mit ihm die dritte Generation aus der Familie wieder die operative Leitung übernimmt, sei etwas Besonderes. "Dadurch sehe ich die Chance, dass sich die Mitarbeiter noch ein Stück mehr als Teil der Familie sehen." Spitz beschäftigt rund 700 Leute.

Eigen- und Handelsmarken

Spitz ist dafür bekannt, sowohl Eigen- als auch Handelsmarken, vor allem für Hofer, zu produzieren. "Wir sind so stolz auf unsere Handelsmarken, dass wir auf der Rückseite unseren Namen schreiben. Wir verstehen das als Qualitätssiegel." Mit den verschiedenen Segmenten von Premium bis Diskont balanciert das Familienunternehmen die Konjunktur aus. "In einer Rezession tendieren die Konsumenten zu preisgünstigen Produkten. Wir können mit dem Produktmix spielen", sagt Scherb.

Auch die Problematik rund um Handelsbarrieren spielt bei Spitz keine Rolle. Das Familienunternehmen hat seinen Aktionsradius in den Ländern rund um Österreich.