Bild: Haas // Thomas Wenzel ist ein Gastronom, dem das Jammern fremd ist.

Der Koch, der Professor für Geschichte werden sollte

Von Karin Haas

Thomas Wenzel lenkt seit 25 Jahren die "Alte Welt" in Linz – ganz ohne das übliche Gastro-Jammern und Personal-Murren.

Es gibt Lokale, die laufen, ohne dass großes Aufhebens darum gemacht wird. Eines davon ist die "Alte Welt" am Linzer Hauptplatz. Sie liegt versteckt im vielleicht schönsten, (nicht gerade überrenovierten) Innenhof der Landeshauptstadt.

Ohne das übliche Gastro-Jammern und Personal-Murren führt Thomas Wenzel die "Alte Welt". Er ist seit 1993 dort Küchenchef und hat das Gasthaus mit Kultursaal im Jahr 2000 ganz übernommen.

"Dabei hat jeder geglaubt, ich werde Geschichtsprofessor", sagt der Absolvent des Linzer Fadinger-Gymnasiums. Doch der Gastro-Drang war stärker. Der heute 53-jährige Linzer lernte Koch und ging nach Genf ins Michelin-gekrönte Intercont-Hotel, um Jacky Onassis, PLO-Führer Arafat, Staatspräsidenten und gekrönte Häupter für die UNO zu bekochen. Das tat Wenzel auch auf dem Luxusschiff Queen Mary.

"Modische" Gerichte

Zurück in Österreich gab Wenzel in Wien den Rezeptionisten, bis ihn schließlich die Heimatliebe zurück nach Linz und in die Kepler-Uni ins Wirtschaftsstudium trieb. Das wollte finanziert werden. Also heuerte Wenzel in der Gastronomie an: in der "Alten Welt". Der Rest ist (Gastro)-Geschichte.

"Ich serviere nur, was ich auch selber esse", sagt der Wirt. Und: "Mein Glück ist, dass ich selbst Koch bin und mich die Personal-Malaise nicht so trifft." Obendrein bildet er Lehrlinge aus, "die auch bleiben", sagt er, wie derzeit Laura. Juan, ein Kurde aus Syrien, und Nuri aus Afghanistan lernen gerade Koch bei ihm.

In Wenzels 25 Jahren als Küchenchef dort sind einige "modische" Gerichte dazugekommen, etwa etliches für Vegetarier und Veganer.

In der "Alten Welt" stehen afrikanische Erdnuss-Suppe, Gemüse-Borschtsch und Linsen-Curry auf der Karte. "Am besten geht aber immer noch der Schweinsbraten", sagt Wenzel.