Adi Schützeneder, F&B Manager, Weißes Rössl, St. Wolfgang
Bild: Weißes Rössl

Ein "Gastrosaurier" im Weißen Rössl

Von Susanna Sailer

F&B-Manager Adi Schützeneder machte zuvor auf See und in Australien Karriere

Adi Schützeneder könnte die moderne Personifizierung des legendären Zahlkellners Leopold aus dem Singspiel "Im weißen Rößl" sein. Dem echten Romantik Hotel "Im Weißen Rössl" in St. Wolfgang ist jedenfalls mit ihm eine Idealbesetzung gelungen. Der 44-jährige Steirer aus Rottenmann ist seit Herbst 2018 Food-&-Beverage-Manager (F&B) und somit für Küche, Restaurants, Getränkeeinkauf und Reisegruppen verantwortlich.

Schützeneder blickt jedoch im Gegensatz zur Bühnenfigur auf eine bemerkenswerte internationale Karriere in der Gastronomie zurück, und seine Liebe gilt nicht, wie im Singspiel, der Rössl-Wirtin, sondern seiner Frau Laura, den drei Kindern und seinem Beruf. "Ich feiere heuer mein 30. Jubiläumsjahr in der Gastronomie. Das macht mich zum Gastrosaurier – einer mittlerweile vom Aussterben bedrohten Spezies", scherzt Schützeneder.

Im Sporthotel Royer in Schladming nahm 1989 alles seinen Lauf. Dort begann der damals 15-Jährige die Lehre zum Hotel- und Gastgewerbeassistenten. Danach kellnerte er im Sommer am See und im Winter in den Skigebieten, bis ihm die heimische Gastrowelt zu klein wurde. 1995 stieg er in ein Flugzeug nach Hongkong und trat einen Vier-Monats-Job als Barkellner, Kellner und Sommelier auf dem Kreuzfahrtschiff Seabourn Spirit an. "Aus vier Monaten wurden zwölf Jahre auf See", sagt Schützeneder.

Kein klassischer Ja-Sager

1999 wechselte er zu Disney Cruises und kam ins Management. "Ich engagierte mich in der Ausbildung. Die war wichtig bei einer Crew, die zu 60 Prozent aus unerfahrenen Mitarbeitern bestand." Später heuerte er bei Crystal Cruises an. Allerdings machte sich Schützeneder nicht bei allen Vorgesetzten beliebt. "Ich bin halt kein klassischer Ja-Sager", meint er. Ganz nach Leopolds Ausspruch "Zuschaun kann i net" mischte er sich ein, wenn etwas im Service nicht passte.

Schützeneder: "Ich musste als Praktiker, der das Gewerbe von der Pike auf erlernt hat, einfach meinen Senf dazugeben. Ich hätte es viel früher zum F&B-Manager geschafft, wenn ich meinen Mund gehalten hätte. Aber so bin ich halt."

Sonnige Jahre in Australien

Auf einem Disney-Schiff lernte er seine spätere Frau Laura kennen – eine Australierin mit schottisch-deutschen Wurzeln. 2007 zogen die beiden nach Brisbane in Australien. Schützeneder arbeitete zuerst in einem Reisebüro, später wurde er Geschäftsführer eines italienischen Restaurants mit 400 Sitzplätzen und baute nebenher eine Wein-Beratungs-Schiene auf. "Ich musste mich nie groß bewerben. Wenn jemand mit rot-weiß-roter Fahne und in Lederhosen durch die Gastrowelt zieht, merkt er, dass Österreicher in der Branche angesehen sind. Viele Türen stehen offen." Die Gastronomie biete eine tolle Möglichkeit, die Welt zu bereisen und nebenbei zu jobben. Das helfe auch abseits der Gastrobranche weiter, "weil man offener wird und gelernt hat, mit vielen Menschen zu arbeiten."

2015 kehrte Schützeneder mit seiner Familie nach Österreich zurück – im "Gepäck" ein Zwölf-Meter-Container mit zehn Tonnen Übersiedlungsgut. Heute lebt die Familie in Bad Ischl. Nach drei Jahren als Kellner im Ischler Haubenrestaurant "Zur Nocken Toni" hat er nun seine berufliche Heimat im Weißen Rössl gefunden – dort wo laut dem heiteren Singspiel bekanntlich das Glück vor der Tür stehen soll.