Ein "Unruheständler", der seinem Arbeitgeber seit 60 Jahren treu bleibt
Bild: VOLKER WEIHBOLD

Ein "Unruheständler", der seinem Arbeitgeber seit 60 Jahren treu bleibt

Von Susanna Sailer

Ferdinand Reisinger (75) arbeitet auch in seiner Pension als Selbstständiger für Elin weiter.

Wenn auf jemanden die Bezeichnung Urgestein passt, dann auf Ferdinand Reisinger. Der 75-Jährige ist seit 60 Jahren seinem Arbeitgeber Elin treu geblieben – auch wenn der Linzer Anlagenbauer für Elektrotechnik im Laufe seiner wechselvollen Geschichte unter fünf verschiedenen Namen firmierte. 1959, als das Unternehmen noch EBG hieß, begann Reisinger mit einer Lehre für Elektromaschinenbau. Später war er bei unzähligen Projekten als Gruppen-, Abteilungs- und Projektleiter im Einsatz.

Seit Oktober 2008 könnte der gebürtige Frankenberger (Gemeinde Langenstein) seine Pension genießen. Aber der Techniker mit Leib und Seele entschied sich gleich danach lieber für den Unruhestand.

Er machte sich selbstständig, um seitdem weiterhin als freier Mitarbeiter ohne Unterlass tätig zu sein. "Ich werde für Elin arbeiten, solange seitens des Unternehmens und der Kunden Interesse daran besteht", sagt Reisinger. Das gegenseitige Verhältnis müsse passen und natürlich seine Gesundheit.

Einsatz für Allianz Arena

Dass das weiterhin der Fall ist, zeigt sein derzeitiger Auftrag von Elin in der Allianz Arena in München. Einst hatte Reisinger dort die Projektleitung für die Elektro-, Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik inne und koordinierte zeitweise bis zu 500 Mitarbeiter. Die Heimstätte des FC Bayern ist seit 2005 fertiggestellt, wird aber ständig erneuert und umgebaut. Dabei nimmt Reisinger erneut einen wichtigen Part im Team ein.

Trotz aller Beständigkeit gegenüber seinem Arbeitgeber war Reisinger stets eines wichtig: Abwechslung. "Ich brauche den Anreiz, immer etwas Neues zu tun. Ich habe im Laufe der Jahre sehr viel gewechselt, was meine Tätigkeiten und Projekte im Ausland angeht." Die führten ihn etwa in das damals noch existierende Ostdeutschland, aber auch nach Russland. So hatte er die Elektro-Projektleitung beim Bau der Philipp-Morris-Tabakproduktion in St. Petersburg inne.

Ein Tipp des erfahrenen Technikers an Junge: "Das Wesentliche ist, positiv an alle Dinge heranzugehen. Das, was jemand macht, sollte er gern tun. Dann aber gilt es, sich über etwas drüberzutrauen, auch über Dinge, die man noch nie gemacht hat."

Reisinger war sein Berufsleben lang viel unterwegs. Somit ist Ehefrau Adelheid (73) daran gewöhnt, dass ihr Mann auch heute noch viel pendelt. "Meine Frau ist sehr tolerant", meint Reisinger. Im Vorjahr feierte das Paar, das vier Kinder im Alter von 39 bis 50 Jahren und vier Enkel hat, seine Goldene Hochzeit.

Urlaub machen die beiden "nur alle paar Jahre", dann aber bereisen sie spezielle Destinationen etwa in den USA oder Südafrika auf ihre ganz individuelle Weise.