Kali
Bild: Elharty

"Kali ist voll integriert und beflügelt unser Team"

Von Susanna Sailer

Der Freistädter Unternehmer Walter Kreisel holte ein junges Talent aus Kenia ins Mühlviertel, das dort studiert und bei ihm arbeitet.

Anthony Kali Kimanzi, kurz Kali genannt, ist ein intelligenter 22-jähriger Kenianer, der durch harte Arbeit und mit finanzieller Hilfe seines Vaters in seiner Heimat bereits gezeigt hat, was er drauf hat. An der Universität in Meru hatte er sein Bachelorstudium in Mathematik und Computerwissenschaft absolviert. Das nachfolgende Masterstudium konnte er sich nicht mehr leisten. Doch dann trat der Freistädter Unternehmer Walter Kreisel in sein Leben und gab diesem eine entscheidende Wende.

Denn der Cousin der Batteriespeicher-Unternehmer-Brüder Kreisel, der sich mit seinem eigenen 35-Mitarbeiter-Betrieb W&Kreisel auf Geschäftsmodelle für erneuerbare Energie konzentriert, war heuer mit seiner Frau Melitta nach Kenia gereist. Das hatte wiederum mit seinem sozialen Engagement zu tun. Kreisel ist Mitglied des Vereins Karibu World. Den gründete seine Frau mit Helmuth Czekal und Oliver Rajal, um Kindern in Afrika und Indien Zugang zu Bildung, Nahrung und medizinischer Versorgung zu ermöglichen. In Mtwapa in Kenia unterstützt der Verein ein Waisenhaus. Das Ehepaar und andere Karibu-Mitglieder hatten vor Ort die sinnvolle Verwendung der Spendengelder kontrolliert.

Vater brachte Stein ins Rollen

"Im Hotel, das wir uns selbst bezahlten, lernte ich Gabriel, Kalis Vater, kennen. Er ist Koch", erzählt Kreisel. Gabriel klagte, dass es um die Zukunftsperspektiven seines Sohnes schlecht bestellt sei. Dieser werde wohl trotz toller Ausbildung als Moped-Taxifahrer sein Leben bestreiten. "Da funkte es und ich dachte mir, wir können helfen", sagt Kreisel. "Wir einigten uns darauf, dass wenn Kali die schriftliche und mündliche Fern-Aufnahmeprüfung positiv abschließt, er einen Job in unserem Software-Entwicklungsteam bekommt. Und er hat’s geschafft. Jetzt muss er noch die Kriterien für ein Leistungsstipendium erreichen."

Anfang mit wenig Gepäck

Im September landete Kali in Österreich, "mit Rucksack, der Platz für wenig Gewand bot, seinem Laptop und Handy", erinnert sich Kreisel. Vier Tage später begann er an der FH Hagenberg den Masterlehrgang Energy Informatics.

Seitdem fährt er an zwei Tagen in der Woche mit dem öffentlichen Bus nach Freistadt, um bei W&Kreisel als Software-Entwickler an Projekten zu arbeiten. Miteinander kommuniziert wird auf Englisch. "Kali ist bei uns voll integriert und beflügelt unser Team", erzählt der Unternehmer.

Karibu World hat dem jungen Kenianer Taschengeld vorgestreckt und den Flug bezahlt. Um die Zimmermiete im Studentenheim, in dem er in Hagenberg lebt, und um seinen Lebensunterhalt muss er sich selbst kümmern. Kreisel: "Ich bin nicht Kalis reicher Onkel, sondern er muss sich alles hart erarbeiten und auch Deutsch lernen. Dazu ist er bereit."

Türöffner für Markteinstieg

Kali wird nun drei bis vier Jahre nicht nach Hause fahren können. Dafür eröffnet sich ihm nach dem Masterabschluss eine gute Berufsperspektive. Kreisel: "Mich interessiert der afrikanische Markt. Wir wollen dorthin mit unseren Lösungen für erneuerbare Energie expandieren." Kali kenne Land und Leute. Er könne beim Markteinstieg helfen und vor Ort mit von der Partie sein. Kreisel: "Mein Ziel ist, mit unserer Technologie aus Österreich mit Unterstützung von Kali als Afrikaner dort Fuß zu fassen."

Das ist ganz im Sinne von Kali. "Software für erneuerbare Energielösungen hat in Kenia riesiges Potenzial", sagt er. Doch nun sei er erst einmal eifrig bemüht, Deutsch zu lernen. "Die Sprache ist noch eine Barriere für mich – vor allem in Freistadt, weniger in Hagenberg, denn die FH ist sehr international." Daran, dass nun die Temperaturen weiter sinken werden, müsse er sich noch gewöhnen, gesteht Kali. Auch viele österreichische Speisen seien ihm fremd. Ein Lieblingsgericht hat er aber sehr bald für sich entdeckt: das Wiener Schnitzel.

Walter Kreisel: 

"Kali ist voll integriert und beflügelt unser Team"

"Ich bin nicht Kalis reicher Onkel, sondern er muss sich alles hart erarbeiten und auch Deutsch lernen. Dazu ist er bereit."