Bild: OÖN, Streif // Madeleine Stranzinger in ihrem Geschäft, in dem jeder "seine" Holzkiste selbst befüllen kann.

"Loppis": Das Geschäft mit 200 Kisten

Von Thomas Streif

Holzkisten zu vermieten: Madeleine Stranzinger eröffnete ein etwas anderes Geschäft.

2002 zog Madeleine Stranzinger von Kitzbühel nach Ried, wo sie ihr Gerichtsjahr absolvierte und anschließend als juristische Mitarbeiterin in der Kanzlei ihres Mannes Gerhard arbeitete. Nachdem sich dieser im vergangenen Jahr einer Kanzlei anschloss, stellte sich für die Tirolerin mit schwedischen Wurzeln die Frage, wie es beruflich weitergehen soll. "Eigentlich wollte ich in einer großen Firma als juristische Mitarbeiterin arbeiten. Ich habe viele Bewerbungen geschrieben, aber leider nur Absagen erhalten, das frustriert", erzählt die 49-Jährige.

Deshalb nahm Stranzinger ihr Schicksal mehr oder weniger selbst in die Hand. Am 1. Dezember eröffnete sie in der Schwanthalergasse ihr Geschäft "Loppis". Ins Schwedische übersetzt heißt das Flohmarkt. "In Schweden haben Flohmärkte einen sehr hohen Stellenwert. Dort ist das Wiederverwerten von Gegenständen etwas völlig Normales, das ist bei uns in Österreich nicht ganz so."

Flohmarkt der etwas anderen Sorte

Ihr Geschäft sei ein Flohmarkt der etwas anderen Sorte. Kunden können sich im Loppis eine Holzkiste um 24 Euro mieten. Für den Inhalt, die Aufmachung und den Wert sowie die Preise der Waren sind die Vermieter ausschließlich selbst verantwortlich. "Ich wickle dann den Verkauf ab, den Kaufpreis erhält der Mieter der Holzkiste zu 100 Prozent von mir, entweder am Ende des Monats oder per Sofortüberweisung", sagt Stranzinger. Zu finden sind in ihrem Geschäft sowohl neue als auch gebrauchte Waren. "Die Idee für das Konzept habe ich mir in Schärding bei ,Matilda‘, einem kreativen Laden mit einem ähnlichen Konzept, geholt. Ich war mehrmals dort und habe gesehen, wie sehr die Besitzerin in der Selbstständigkeit aufblüht", sagt Stranzinger.

Die Umsetzung habe lediglich zwei Monate gedauert, vom Gründerservice des AMS sei sie dabei maßgeblich unterstützt worden, so Stranzinger.

Ein Geschäft mit 200 Kisten

Insgesamt stehen im Loppis 200 Kisten für die Vermietung zur Verfügung, etwas mehr als die Hälfte sind bereits vermietet. "Die Kundenfrequenz ist noch ausbaufähig, aber ich merke, dass es jetzt von Woche zu Woche besser wird", sagt Stranzinger. Neben den Kisten können auch Kleiderbügel für sechs Euro angemietet werden. Auf die Frage, welche Produkte bei den Kunden besonders gefragt seien, antwortet die Unternehmerin: "Die Kunden reagieren extrem auf Schnäppchen und sind gespannt, welche Waren in den verschiedenen Holzkisten zu finden sind."

Zusätzlich kommen im Loppis auch Freunde der italienischen Mode auf ihre Kosten. Im "Lana", einem eigenen Bereich im Geschäft, findet man verschiedenste Kleidungsstücke.

"Es gibt einige Kunden, die haben seit Anfang Dezember ihre Kiste schon drei bis vier Mal befüllt und einen Umsatz von mehr als 400 Euro gemacht. Das zeigt, dass das Konzept funktioniert und angenommen wird", sagt Stranzinger. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.loppis.at.