Bild: privat // Schweißtreibend: wasser- und luftdichter Kleidung mit Atemschutz für die Aufräumarbeit

Österreichs einzige Tatortreinigerin

Von Edmund Brandner

Egal ob Mord, Suizid oder Leichenfunde in Wohnungen: Die 33-jährige Bad Ischlerin räumt alles auf.

Eigentlich ist Claudia Kettner gelernte Köchin. In die Reinigungsdienstbranche kam die aus Rottenmann stammende Bad Ischlerin eher zufällig. Aber sie fasste dort Fuß, machte die Ausbildung zur Reinigungsdienstmeisterin, gründete ihr eigenes Unternehmen und beschäftigt heute 14 Mitarbeiter. Seit einem Jahr ist Claudia Kettner außerdem zertifizierte Tatortreinigerin. Es gibt nur drei Reinigungsunternehmen in Österreich, die auf diese Dienstleistung spezialisiert sind. Kettner ist die einzige Frau, die diese Arbeit macht.

OÖN: In Österreich passieren selten Morde. Wie oft werden Sie als Tatortreinigerin gerufen?

Claudia Kettner: Der Begriff "Tatort" führt ein wenig in die Irre. Ich komme auch nach Selbstmorden oder wenn Menschen tot in ihrer Wohnung aufgefunden werden. Auch Messie-Wohnungen brauchen oft eine spezielle Form der Reinigung. Die Aufträge kommen aus ganz Österreich.

Zahlt es sich denn aus, für eine Wohnungsreinigung durch ganz Österreich zu fahren?

Eine Tatortreinigung dauert mindestens zwei Tage. Vor kurzem mussten wir einen Parkettboden rausreißen, weil sich das Holz mit Blut vollgesaugt hatte.

Was ist technisch gesehen das Besondere an einer Tatortreinigung?

Das beginnt schon bei der Kleidung. Wir tragen wasserdichte Arbeitsanzüge und Hauben, dazu Atemschutzmasken. Das ist nicht angenehm, du schwitzt unter der luftdichten Montur fürchterlich bei der Arbeit. Die Reinigungsmittel sind ebenfalls sehr speziell. Am Ende fluten wir die Räume mit Ozon, um alles ganz sicher zu desinfizieren.

Ist Ihre Arbeit nicht gruselig und ekelhaft?

Die Leichen sind bereits abgeholt, wenn wir kommen. Blut ist natürlich schon oft im Spiel. Nach einem Selbstmord manchmal auch Gehirnmasse. Fast immer aber Leichenflüssigkeit. Die ist ärgerlich, weil sie so stinkt. Am schlimmsten sind Leichen in Messie-Wohnungen. Wenn die Toten im eigenen Müll liegen, kommt alles zusammen. Aber ich bin ja eine Metzgerstochter (lacht)!

Was ist das Belastendste bei dieser Art von Arbeit?

Der Moment, in dem du die Wohnung betrittst, ist schon mulmig. Sehr belastend können auch verzweifelte Hinterbliebene sein. Ich bitte sie immer aus der Wohnung, während wir arbeiten, aber das geht nicht jedesmal. Oft erzählen sie mir dann stundenlang vom Verstorbenen. Ich bin von einer Hinterbliebenen sogar schon zum Essen eingeladen worden. Ich verstehe ja die Verzweiflung und bemühe mich, gefühlvoll mit den Leuten umzugehen. Das Reinigen selbst ist aber einfacher, weil du dich da besser abgrenzen kannst. Du siehst nur die Baustelle.

Hat sich Ihre Einstellung zum Tod geändert?

Ja, schon. Nach dem, was ich alles sehen musste, habe ich manchmal Angst davor, selbst auch irgendwann in meiner Wohnung vergessen zu werden. Die Vorstellung geht mir nicht aus dem Kopf. Es ist so traurig: Da leben die Menschen Tür an Tür, und niemandem fällt auf, dass jemand wochenlang kein Lebenszeichen mehr von sich gibt. Aber ehrlich gesagt rufe ich meine Mutter auch nicht oft genug an.