Bild: privat // Thomas Brunner: Magister, Master und ukrainischer Schweinebauer

Schweine statt Waschmittel

So wurde der Florianer Thomas Brunner in der Ukraine Großbauer.

"Ein Großbetrieb bin ich schon, für österreichische Verhältnisse. International ist das ein Klein- oder Mittelbetrieb", sagt Thomas Brunner (42) aus St. Florian bei Linz. Er führt südlich der ukrainischen Hauptstadt Kiew einen Ackerbau mit 1200 Hektar und einen Schweinebetrieb mit 450 Zuchtsauen und 2500 Mastplätzen. Rund 9000 Mastschweine produziert er mit seinen 45 Mitarbeitern im Jahr und vermarktet sie über eine regionale Prosciutto-Marke, Spezialitätengeschäfte und die Gastronomie.

Denn Brunner legt Wert darauf, keine Massenware zu produzieren, sondern Topqualität. Dass Produkt und Marketing stimmen müssen, hat er bei seinem Wirtschaftsstudium an der Kepler-Universität Linz gelernt. Dann startete er eine Karriere im Marketing des Waschmittelkonzerns Henkel in Osteuropa. Die Erfahrungen in der Ukraine und die bäuerlichen Wurzeln trugen dazu bei, dass er sich dazu überreden ließ, den Agrarbetrieb der St. Florianer Familie in der Ukraine zu führen.

Weg mit Antibiotika

2006 hat sie dort 1200 Hektar besten Schwarzerdebodens gepachtet und eine alte Kolchose gekauft. Grund dürfen Ausländer nicht erwerben; die Brunners haben es mit rund 350 kleinen Verpächtern zu tun. 2011 begannen sie, ihre Ernte nicht mehr auf den Markt zu bringen, sondern über eine Schweinehaltung selbst zu veredeln. Es musste aber etwas Besonderes sein, sagt der 43-Jährige.

Sein Ziel: Trotz des Großbestandes weitgehend keine Antibiotika einzusetzen. "Wenn aus der Tierhaltung heute die Antibiotika weggenommen würden, wären die Überproduktion und der Preisverfall am internationalen Schweinemarkt gelöst, gleichzeitig Umwelt- und Klimaprobleme. Die Agrarfabriken können ja nur zu diesen Tiefpreisen liefern, weil sie ihre Tiere mit den Medikamenten vollstopfen", sagt der Bauer. Er selbst habe seit Betriebsstart den Antibiotikaeinsatz deutlich reduziert: Nur noch ein bis zwei Prozent aller Tiere bekommen solche Medizin – nur im Krankheitsfall, nicht prophylaktisch. Sie erhalten eine Ohrmarke, die die Antibiotika-Gabe dokumentiert, und werden getrennt vermarktet. Die anderen Tiere gehen mit dem Siegel "Antibiotika-frei" in Qualitätsfleischprogramme, mit entsprechendem Preisaufschlag. In einem Land mit mehr als 40 Millionen Einwohnern gebe es dafür Kaufkraft.

Genetik aus Oberösterreich

Die Topqualität habe noch andere Ursachen, vor allem die hervorragenden Zuchttiere des OÖ. Schweinezuchtverbandes, sagt Brunner: "Weil wir die Ferkel selbst ziehen, können bei uns keine fremden Keime in den Stall kommen." Das sei auf vielen Tierbetrieben eine Wurzel des Antibiotika-Missbrauchs. Dazu kämen bei ihm tierfreundliche Haltung und hochwertiges Futter.

Brunner lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in der Ukraine. Der Bauer muss auf dem Hof sein. Zu großen Festen und Urlauben geht es in die Heimat.

www.timoshivka.com.ua (in Englisch und Ukrainisch)

Übel: Antibiotika

Die Gabe von Antibiotika, nicht bloß im Krankheitsfall, sondern sogar als Wachstumsförderer, ist international eines der großen Übel der Nutztierhaltung. Die Landwirtschaft bemüht sich, den Einsatz zu reduzieren, seit die Humanmedizin Alarm gerufen hat: Manche Krankheitserreger sind wegen des Masseneinsatzes resistent gegen viele Antibiotika.

In Österreich wurden 2017 laut Agentur für Ernährungssicherheit Ages in der Veterinärmedizin 44,6 Tonnen Antibiotika eingesetzt. Das ist gegenüber 2013 ein Minus von 19 Prozent. 75 Prozent gehen an Schweine, 17 an Rinder.