Über Leberkäse zum Event-Caterer in Shanghai

Über Leberkäse zum Event-Caterer in Shanghai

Von Susanna Sailer

Heiko Stebli aus Neuhofen/Krems wollte das Leberkässemmerl in China populär machen, doch es kam anders.

Wenn Modekonzerne wie Calvin Klein, Zara oder Diesel in Shanghai ihre Fashionshows inszenieren oder Business-Events stattfinden, ist meist Heiko Stebli (39) mit von der Partie. Der gebürtige Neuhofener, der seit 16 Jahren in Shanghai lebt, übernimmt dann mit seinem Team die Verköstigung der illustren Gästeschar.

Sein Unternehmen Ausbery, das er mit seiner taiwanesischen Frau Annie aufbaute, hat sich binnen sechs Jahren zu einem Premium-Event-Caterer entwickelt. "Mein Stammteam besteht aus 25 Mitarbeitern. Es gibt auch 100 freie Mitarbeiter, die regelmäßig für uns arbeiten", sagt Stebli.

Dass er heute mit seinem Geschäft so gut dasteht, hat er einem für Österreich typischen Produkt zu verdanken: dem Leberkäse. Steblis Ursprungsidee war, in Shanghai kleine Shops zu errichten und diese nach dem Prinzip der Systemgastronomie auf Leberkässemmeln zu spezialisieren.

Dass er sein Vorhaben in Shanghai umsetzen wollte, hängt mit dem einstigen Linzer Computerproduzenten Gericom zusammen. Stebli, der als Jugendlicher in Linz im Hotel Schillerpark eine Lehre zum Hotel- und Gastgewerbeassistenten absolviert und danach die Matura nachgeholt hatte, war vor 16 Jahren nach China gekommen, um im Gericom-Werk in Shuzhou in der Qualitätssicherung zu arbeiten. "Doch dann fühlte ich, ich musste zu meinen beruflichen Wurzeln zurück", sagt er.

Allerdings war die Idee mit den Shops schwerer umzusetzen als anfänglich gedacht. "Meine Frau und ich suchten ein halbes Jahr vergeblich nach Investoren. Im Nachhinein bin ich froh, dass es so gekommen ist", sagt Stebli.

Das Vorhaben wurde umgekrempelt. Stebli wollte sein eigenes Leberkäse-Produkt fertigen. Durch Zufall lernte er Josef Dallner kennen, einen pensionierten Fleischhauer aus Salzburg, der lange als Gewürzmischer in der Produktentwicklung tätig war. Dallner kam für ein halbes Jahr nach Shanghai, um in einer kleinen Laborküche an der perfekten Leberkäs-Rezeptur zu tüfteln. "Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viel Leberkäse gegessen wie während der Zeit der Produktentwicklung", erinnert sich Stebli. Zielgruppe waren die gehobene Gastronomie und Fünf-Sterne-Hotels. Dort in erster Linie Österreicher und Deutsche, die aus beruflichen Gründen in Shanghai leben und im Leberkäse "ein Stück Heimat" sehen, und natürlich neugierige Chinesen. Ramada wurde einer der ersten Hotelkunden, was auch auf den damals österreichischen Direktor zurückzuführen war.

Stebli: "Wir mieteten uns Räume in einer Fabrik, und auf einmal stand ich in meiner eigenen kleinen fleischverarbeitenden Produktion und fertigte Leberkäse." Bald gesellten sich Käsekrainer und Schweinsbratwürstel hinzu.

Der Wandel zum Caterer

Bei einem Heurigenfest, das Stebli belieferte, lernte er Raimund Grad – damals Leiter der WKO-Außenhandelsstelle in Shanghai – kennen. "Er wurde unser erster Catering-Kunde." Es folgten das österreichische Generalkonsulat und weitere internationale Konsulate.

Eines Tages nahm eine französische Eventagentur, die auf Luxusmarken-Produzenten spezialisiert ist, Kontakt mit Stebli auf. Es ging um die Eröffnung des Flagship-Stores von Diesel, wobei das Ausbery-Team mit einem unorthodoxen Catering-Konzept überzeugte. Die Speisen und Getränke waren bis ins Kleinste auf die Marke abgestimmt. "Das wurde unser Markenzeichen: Tailored Taste Experience – wir liefern Geschmackserlebnisse, die für Kunden maßgeschneidert werden", sagt Stebli.

Leberkäse fertigt er heute nicht mehr in der Fabrik. Der wird nur hin und wieder in der eigenen Zentralküche für Caterings hergestellt.