Bild: Volker Weihbold

Was machen Sie eigentlich, Frau Schatzdorfer-Wölfel?

Von Susanne Dickstein

Gertrude Schatzdorfer-Wölfel (59) ist Geschäftsführerin des Gerätebau-Betriebs Schatzdorfer in Zipf. Die gelernte Kindergärtnerin hat das Unternehmen von den Eltern übernommen. Sie beschäftigt heute mehr als 100 Mitarbeiter und bereitet mittelfristig die Übergabe an ihre Tochter Elisa vor.

Wie erklären Sie einem sechsjährigen Kind, was Sie beruflich machen?
Ich habe eine Firma mit vielen Maschinen, in der 102 Menschen arbeiten - Männer und viele Frauen. Die machen Teile aus Metall, die andere Firmen von uns kaufen. Mit unseren Maschinen könnten wir sogar einen Teddybären oder eine Blume aus Blech ausschneiden. Ich bin die Chefin und muss mich jeden Tag darum kümmern, dass alle gerne in meine Firma arbeiten gehen und gesund bleiben. Und ich muss sie für ihre gute Leistung gut und fair bezahlen.

Und was antworten Sie auf die Frage, warum Sie dafür Geld bekommen?
Unsere Kunden bestellen Teile, die dann in der Firma gefertigt werden. Dann müssen sie die Produkte natürlich bezahlen. Einen Teil von diesem Geld bekommen die Mitarbeiter. Einen Teil bekomme ich als Chefin, damit ich neue Maschinen kaufen oder eine neue Produktionshalle bauen kann. Und einen Teil davon muss man Steuern zahlen - aber das ist eine andere Geschichte.

Woran erkennt man einen guten Chef?
Das ist einer, der zuerst auf die Menschen und dann auf die Zahlen schaut.

Was sollte ein Mitarbeiter auf keinen Fall zu seinem Chef sagen?
Das geht gar nicht.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
"Reinventing Organizations" - ein Leitfaden sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit von Frederic Laloux.

Mein erstes Geld habe ich verdient...?
Unser Nachbar hatte einen Reitbetrieb. Ich habe Gästekinder mit Ponys herumgeführt und zwei Schilling für eine Stunde bekommen.

Was möchten Sie gut können?
Viele Fremdsprachen.

Wen fragen Sie um Rat?
Meinen Mann und meine Töchter.

Was macht Sie glücklich?
Mein selbstbestimmtes Leben und zu spüren, dass ich zum Glück anderer Menschen beitragen kann/darf.

Wenn ich einmal frei habe...
...mache ich meine Morgengymnastik besonders ausgiebig.

Wenn Sie nicht Unternehmerin wären, womit würden Sie Ihr Geld verdienen?
Als Beraterin für Klein- und Mittelbetriebe bei Firmenübergaben oder als Leiterin einer Bildungseinrichtung für Kinder und Jugendliche oder als Köchin in meinem eigenen Lokal.

Was liegt immer auf ihrem Schreibtisch?
Die Lesebrille.

Wenn ich mit der Bundeskanzlerin tauschen müsste, würde ich...
... nicht müde werden, den Menschen in diesem Land zu sagen, wie schön und chancenreich Österreich ist und dass jeder täglich einen Beitrag dazu leisten kann/muss, dass es so bleibt. Von der Ausbildung bis zum Umweltschutz. Den Unternehmen würde ich ermöglichen, einen Teil des Gewinns steuerfrei an die Mitarbeiter ausschütten zu können.