Wegen der Liebe zur Informatik in Linz
Bild: Fotostudio Eder

Wegen der Liebe zur Informatik in Linz

Von Susanna Sailer

Die Iranerin Safoura Rezapour Lakani arbeitet bei Siemens an einem Prestigeprojekt mit.

Sie wirkt schüchtern und spricht mit leiser Stimme. Doch wenn es um Programmiersprachen geht, ist sie voll in ihrem Element. Safoura Rezapour Lakani (32) ist Informatikerin mit Leib und Seele. In ihre Arbeit steckt sie ihre ganze Energie.

Sie stammt aus der Stadt Rascht nahe dem Kaspischen Meer. Seit knapp eineinhalb Jahren arbeitet sie – ausgestattet mit der Rot-Weiß-Rot-Card plus – bei Siemens in Linz. Als Softwareentwicklerin übernahm sie sehr bald eine federführende Rolle in jenem Team, das sich mit einem Prestigeprojekt für Daimler beschäftigt. Für "Factory 56", die modernste Autofabrik der Welt im deutschen Sindelfingen, ist sie mit ihren Kollegen dabei, für fahrerlose Transportfahrzeuge unterschiedlichen Herstellertyps eine einheitliche Software zu konzipieren, sodass sich alle selbstfahrenden Transportroboter untereinander "verstehen".

Solche Gefährte sollen ab 2020 die flexible Fertigung der neuen S-Klasse unterstützen. Bis es so weit ist, sind IT-Spezialisten wie Safoura gefragt: "Das Fahrzeug muss erkennen, wo es sich befindet, signalisiert, dass es für einen Transport bereit ist, und wird über die effizienteste Route zur nächsten Station gelotst", erzählt Safoura, die neben Persisch fließend Englisch und gutes Deutsch spricht.

Die junge Iranerin zog es nach ihrem Bachelor-Abschluss in Softwareentwicklung zuerst nach Deutschland, um an der Universität Aachen den Master zu machen. Sie war 23 Jahre alt, als sie sich allein auf den Weg in das ihr fremde Land machte. Deutschgrundkenntnisse hatte sie sich davor am Goethe-Institut im Heimatland angeeignet. Nach dem Master übersiedelte sie nach Innsbruck. Sie wurde Forschungsassistentin im Bereich Bilderkennung und Maschinelles Lernen. In Tirol lernte sie das Skifahren kennen und "die Kälte lieben", wie sie sagt. Aber in erster Linie ging es ihr stets darum, ihre IT-Kenntnisse immer weiter zu entwickeln. "Ich mag Herausforderungen, will immer neue Sachen lernen. Informatik und Computerwissenschaften sind für mich das Richtige. Da ändert sich dauernd was", sagt Safoura.

Im Iran ist IT viel weiblicher

Im März 2018 kam sie zu Siemens nach Linz und fühlt sich im zwölfköpfigen Team, in dem sie arbeitet, sehr wohl. "Unter uns herrscht eine gute Atmosphäre", schwärmt sie. Dass es in Österreich nur eine kleine Anzahl an Frauen in Richtung Softwareentwicklung zieht, kann sie allerdings nicht ganz nachvollziehen. "Im Iran liegt die Geschlechterverteilung bei 50 zu 50." Im Siemens-Team, dem Safoura angehört, sind jedenfalls noch drei Frauen an Bord.

Was Safoura allerdings ab und zu quält, ist Heimweh. "Ich will unabhängig sein, aber ich bin auch ein Familienmensch." Mit ihrer Mutter, einer pensionierten Grundschullehrerin, telefoniert sie jeden Abend via WhatsApp. Einmal im Jahr fährt sie in den Iran, um auch ihren Bruder, einen Architekten, wiederzusehen.

An den Wochenenden in Linz kocht sie gerne iranische Gerichte. Sie liebt es auch, schwimmen zu gehen. Längst hat sie sich mit einer Clique, die sich im Schwimmbad zusammenfand, angefreundet.