Ein Knigge für das Großraumbüro

Ein Knigge für das Großraumbüro

Wer gewisse Regeln beachtet, macht sich den Alltag in einem Mehrpersonen- oder Großraumbüro wesentlich leichter.

Telefone läuten, die Kollegen unterhalten sich lautstark, Tastaturen klackern ... In einem Großraumbüro kann es oft hektisch und wie in einem Taubenschlag zugehen. Um hier effektiv arbeiten zu können, sind Toleranz und Rücksicht gefragt.

Die ersten Großraumbüros entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts. Wir erinnern uns an die US-amerikanischen cubicles – nur durch dünne Wände voneinander getrennte Arbeitsboxen, wie wir sie aus US-Filmen kennen. Europa zog erst später nach. Das Konzept des Großraumbüros ist in der Businesswelt umstritten. Der Hektik und dem Trubel dieser offenen Bürolandschaften steht die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls gegenüber. Die Zusammenarbeit auf großer Fläche soll Kreativität und Teamwork fördern, für mehr Transparenz und Kommunikation sorgen. Das Konzept entspricht den gewachsenen Anforderungen an soziale Interaktion und Kommunikation in Unternehmen. Allerdings muss natürlich auch die Unternehmenskultur diesem Konzept entsprechen. So effizient ein Mehrpersonen- oder Großraumbüro auch sein kann: Es müssen einige Aspekte berücksichtigt werden, damit die Mitarbeiter ihre Arbeit in einem solchen Büro konzentriert erledigen können. Das beginnt schon bei der Planung der Büroräume.

Die richtige Planung

Unbedingt sollte in Rückzugsinseln, Kreativbereiche und Begegnungsorte investiert werden, um die Teamarbeit zu fördern. Solche Rückzugsorte für konzentriertes Arbeiten sollten in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt werden. Das kann in Form eines Konferenzraums oder eines Tisches in einer ruhigen Ecke des Büros sein. Lounge- und Meetingbereiche, Sitzecken und Bibliotheken stillen das Bedürfnis der Arbeitnehmer nach mehr Ruhe. Moderne Großraumbüros sind in der Gestaltung heute viel individueller als früher. Im Trend liegen Open Offices bzw. Open Spaces, die keine legehennenartige Arbeitsatmosphäre mehr verbreiten. Teppiche wirken Trittgeräuschen entgegen, Akustikpaneele sorgen für Schallschutz. Die Arbeitsplätze selbst lassen sich flexibel gestalten, wofür mobile Gegenstände wie Trennwände oder Rollcontainer sorgen. Das Motto in modernen Büros lautet: Man sieht alles, man kann alles verschieben.

Wichtig ist , die Arbeitnehmer frühzeitig in den Veränderungsprozess einzubeziehen. Denn schließlich bringt der Umzug in ein Großraumbüro für jeden Einzelnen neue Pflichten und Regeln mit sich. Gemeinsam mit den Mitarbeitern sollten daher Richtlinien für eine neue Bürokultur erarbeitet werden, anstatt diese vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Vielen Widrigkeiten, die in einem solchen Großraumbüro lauern, lässt sich mit ein paar Tricks und Maßnahmen entgegenwirken.

Pflanzen aufstellen

Große Pflanzen zwischen den Schreibtischen schlucken Geräusche und verbessern das Raumklima. Bücherregale und Schränke sollten so positioniert werden, dass sie den Raum teilen und Lärm abfangen.

Studien zeigen: Wer seinen Arbeitsplatz individuell einrichten darf, arbeitet produktiver. Es sollten also gewisse Freiheiten begünstigt werden – wie zum Beispiel die Möglichkeit, einzelne Büromöbel individuell zu arrangieren und das Erscheinungsbild der Wände verändern zu können. Individualität ist auch im Großraumbüro wichtig. Bieten Arbeitgeber ihren Mitarbeitern auch im Großraumbüro Gestaltungsfreiheit, profitiert davon die Motivation und auch die Produktivität.

Essen und Gerüche

Im Großraumbüro ist es ähnlich wie in Öffis: Kleine Snacks zwischendurch stören meist niemanden, lautstarkes Kauen oder geruchsintensive Lebensmittel hingegen sind natürlich strengstens tabu.

Ruhe, bitte!

Drucker, Kopierer und andere Geräte sorgen für ein Grundrauschen, welches auf Dauer Nerven kostet. Am besten werden sie deshalb in separaten Räumen aufgestellt. Computer sollten automatisch in den Standby-Modus wechseln, wenn sie nicht benutzt werden. Dadurch fährt der PC Leistung und Lüftung herunter und ist leiser. Handys sollten im Büro nur auf Vibration geschaltet sein.

Mit Kopfhörern versuchen viele Mitarbeiter, der Geräuschkulisse zu entkommen. Außerdem signalisieren diese auch, dass man gerade nicht ansprechbar ist und Konzentration benötigt. Mittlerweile gibt es schon moderne Noise-Cancelling-Kopfhörer mit hohem Tragekomfort.

Besprechungen sollten möglichst nicht im Büro abgehalten werden. Stattdessen sollte man eigene Meeting- oder Konferenzräume nutzen, um die Konzentration der anderen Kollegen nicht zu stören.

Probleme immer direkt ansprechen

Im "Dschungel" des Großraumbüros kommt es zwangsläufig zu Unstimmigkeiten. Probleme sollten am besten direkt angesprochen werden: Wenn es einen nervt, dass der Kollege laut telefoniert, darf man das auch ruhig höflich sagen. Je länger man damit wartet, desto mehr Aggressionen stauen sich auf.

Kein Kollege wird es einem übel nehmen, wenn man freundlich auf Dinge aufmerksam macht, die einen im Arbeitsalltag stören.