Bild: pixabay // Das Gespräch zu dominieren ist nicht empfehlenswert.

Die 5 Networking No-Gos

Von Daniela Ullrich

Ein gutes Netzwerk an Kontakten ist gerade für Jungunternehmer oftmals von entscheidender Bedeutung für den Erfolg.

Es kann die Bekanntheit des Unternehmens wesentlich erhöhen, zu neuen Aufträgen und Kunden führen oder auch Anstoß für eine neue Kooperation oder neue Ideen sein.
„Ein gutes Netzwerk eröffnet einem nicht nur viele Türen, sondern oft auch gänzlich neue Wege, die zum Unternehmenserfolg beitragen“, weiß Jürgen Tarbauer, Vorsitzender der Jungen Wirtschaft Wien (JWW) aus Erfahrung. Doch Networking ist nicht immer jedermanns Sache. „Viele tun sich oft schwer oder verwechseln richtiges Networking mit Selbstinszenierung. Wer es falsch angeht, kann sogar Schaden durch einen schlechten Ruf verursachen“, so Tarbauer. Aus diesem Grund zeigt der Experte fünf No-Gos beim Netzwerken auf, die Jungunternehmer unbedingt vermeiden sollten.

1) Keine Zeit fürs Networking

Das Wichtigste ist, mit dem Netzwerken schon früh zu beginnen. Als Unternehmer ist Zeit oft Mangelware, vor allem in der Gründungsphase und in den ersten Jahren des Unternehmens. Nur zu oft kommt in solchen Zeiten das Networking zu kurz. Doch ein gutes Netzwerk an wertvollen Kontakten entwickelt sich nicht von heute auf morgen, sondern braucht Zeit. Wer dann erst damit beginnt, Kontakte zu knüpfen, wenn sie vonnöten sind, wird kaum Erfolg haben. „Zeit fürs Kontaktknüpfen sollte daher nicht leichtfertig gestrichen werden, sondern als sinnvolle Investition in das eigene Unternehmen angesehen werden. Die daraus entstehenden Beziehungen können entscheidende Vorteile bringen“, so Tarbauer.

2) Abwarten und Tee trinken

Wer neue Kontakte knüpfen möchte, muss auch dort hingehen, wo neue Leute anzutreffen sind. Dort angekommen, beginnt das eigentliche Networking. „Viele warten dabei, bis sie von anderen angesprochen werden. Das mag funktionieren, ist aber alles andere als effektiv. Networking ist Kontaktsport, heißt, ich muss den ersten Schritt machen und auf andere zugehen“, betont der JWW-Vorsitzende. Wer den ersten Zug macht, kann zudem als offene Persönlichkeit schon erste Punkte sammeln. Dabei braucht es auch keinen besonders kreativen Spruch. Es reicht völlig aus, sich kurz vorzustellen, dann entwickelt sich ein Gespräch meist von selbst. Will man sich nicht ganz darauf verlassen oder hat so seine Schwierigkeiten mit dem Small Talk, können vorab schon ein paar Fragen vorbereitet werden. „Wie kam es, dass du Unternehmer wurdest?“ oder „Weshalb bist du heute hier?“ sind einfache, aber effektive Startfragen und spielen den Ball dem Gegenüber zu.

3) Das Gespräch dominieren

Wir alle kennen diese „Gespräche“, bei denen einer redet und alle anderen zuhören. Fürs Networking ist diese Art der Konversation jedoch äußerst ungeeignet. „Vor allem beim Erstkontakt geht es nicht darum, alles über mich zu erzählen, sondern dem Gegenüber aufmerksam zuhören. So erhält man wichtige Informationen, ob und wie dieser Kontakt nützlich sein könnte. Durch gezielte Fragen kann das Gespräch zudem aktiv gesteuert werden“, gibt Tarbauer seine Erfahrung weiter. Dabei ist davon abzuraten, im Gespräch gleich auf den Punkt zu kommen und nach dem konkreten Nutzen für das eigene Unternehmen zu fragen oder mit Wünschen und Bitten aufzuwarten. Primär geht es um einen ersten Informationsaustausch. Erst im nächsten Schritt können solche Dinge angesprochen werden, wobei dann die Devise gilt: Zuerst geben, dann nehmen.

4) Sich auf einen Kontakt fixieren

Ein Kontakt wurde hergestellt und das Gespräch läuft nur so vor sich hin. Soweit, so gut. Doch, auch wenn der neue Bekannte noch so interessant und noch so sympathisch ist, sollte beim Networking nicht die Quantität der Kontakte aus den Augen gelassen werden. Erfolgreiches und effizientes Net-working besteht nämlich darin, mehrere neue Kontakte in kurzer Zeit zu knüpfen. Networking soll Spaß machen, aber auch mit einer gewissen Konsequenz betrieben werden. Das Vertiefen bzw. die Pflege der neuen Beziehungen folgt später. „Vor allem bei etwas schüchternen Personen passiert es immer wieder, dass sie, wenn sie einen Kontakt geknüpft haben, zu lange oder gar den ganzen Abend bei diesem verweilen“, weiß Tarbauer aus Erfahrung. Der Experte rät aber dazu, sich nach einer gewissen Zeit anderen Personen zu widmen. „Hier zu kann man auch einfach den bestehenden Kontakt fragen, ob er nicht noch andere Leute vor Ort kennt und ihn so als eine Art ‚Wingman‘ nutzen“, so ein konkreter Tipp.

5) Neue Kontakte im Sand verlaufen lassen

Ist das Networking zu Ende und wurden ein paar nützliche Kontakte geknüpft, darf man zufrieden sein. Jedoch ist der Austausch von ersten Informationen und Visitenkarten nur die halbe Miete. Anschließend gilt es, sich weiter zu vernetzen, zum Beispiel über soziale Medien wie Xing oder LinkedIn, um den Kontakt aufrechtzuerhalten. Am Effektivsten sind persönliche Nachrichten ein paar Tage nach dem Treffen. „Dabei reicht es schon, mit der Einladung auf beispielsweise LinkedIn einen kurzen, individuellen Bezug auf das Kennenlernen zu machen“, schlägt Tarbauer vor. Wer nach der Kontaktaufnahme sich nicht vernetzt und die Beziehung weiter pflegt, riskiert hingegen, mit der Person nie wieder zu sprechen und sich ein großes Networking-Potential durch die Finger gehen zu lassen.

Noch eine gute Nachricht zum Schluss: Networking ist etwas, dass durch Übung perfektioniert werden kann. Und wer erste Erfolge und positive Erfahrungen mit seinem Netzwerk macht, kann daraus immer wieder neues Selbstvertrauen schöpfen und seine Technik laufend verbessern. „Das größte No-Go im Networking ist es, es erst gar nicht zu versuchen“, gibt Tarbauer abschließend mit auf den Weg.
 

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