Bild: colourtbox.de // Wie Die Posten eines Generaldirektors, Vorstandsvorsitzenden oder CEO (internationale Bezeichnung) sind heiß begehrt

Wie wird man Generaldirektor?

Von Dietmar Mascher

Die Nummer eins als Ziel: Auf der Suche nach einem Rezept für die höchste Sprosse der Karriereleiter.

Herbert Eibensteiner soll Wolfgang Eder 2019 als Generaldirektor der voestalpine nachfolgen. Alfred Stern hat dieses Amt eben beim Kunststoff-Spezialisten Borealis übernommen. Magne Setnes ist seit einigen Monaten Nummer eins bei der Brau Union, Stefan Doboczky seit drei Jahren Lenzing-Chef, Robert Machtlinger seit eineinhalb Jahren bei FACC. Mit 1. Jänner 2019 übernimmt Markus Huemer den Vorstandsvorsitz bei der Polytec von seinem Vater Friedrich.

Abgesehen davon, dass es sich hier ausschließlich um Männer handelt, haben diese Generaldirektoren auf den ersten Blick wenig gemeinsam. Bis auf den Vorstandsvorsitz in einem großen Konzern.

  • Aber wie wird man Generaldirektor?
  • Was kann man planen?
  • Was muss man mitbringen?
  • Was kann man lernen?

Die Posten eines Generaldirektors, Vorstandsvorsitzenden oder CEO (internationale Bezeichnung) sind heiß begehrt. 100 bis 400 Personen bewerben sich etwa beim Linzer Personalberater Trescon. Schließlich gibt es nicht nur interessante Tätigkeiten, Prestige, Entfaltungsmöglichkeiten, sondern auch eine Stange Geld zu verdienen (wobei sich das beim Stundenlohn oft wieder relativiert).

Die Jahresgehälter von Vorstandschefs in typischen oberösterreichischen Mittelbetrieben mit 50 bis 300 Millionen Euro Umsatz belaufen sich auf 220.000 bis 280.000 Euro brutto, bei den größeren sind es rund 400.000 Euro inklusive variabler Bestandteile. Millionengehälter sind die absolute Ausnahme.

Welche Ausbildung benötigt man?

Während früher die Juristen in den Vorstandsetagen stark vertreten waren, sind heute die Betriebswirte in der Überzahl. Aufgeholt haben die Techniker. "Wer es als Techniker aber ganz nach oben schaffen will, braucht auch eine General-Management-Ausbildung", sagt Manfred Webersdorfer, Chef des Personalberaters Hill Webersdorfer.

Braucht man ein Studium?

Ein Studium ist zwar nicht immer Grundvoraussetzung, um in die engere Auswahl zu kommen, aber von großem Vorteil. Stern hat Werkstoffwissenschaften in Leoben studiert, Doboczky technische Chemie, Eibensteiner Maschinenbau und BWL an der TU Wien. Auch die Lehre kann eine Grundlage sein. FACC-Chef Machtlinger absolvierte eine als technischer Zeichner bei Fischer, ehe er in der Tochter FACC Karriere machte. Energie-AG-Generaldirektor Werner Steinecker absolvierte eine Lehre, ehe er Jus und BWL studierte. "Wenn es darum geht, den Unternehmen in guten Zeiten neue Impulse zu geben, sind Techniker im Vorteil. Wenn die Wirtschaft schwächelt, sind die Finanzer im Vorteil", sagt Trescon-Geschäftsführer Bertram Klinger.

Welche Eigenschaften machen einen guten Generaldirektor aus?

"Hartnäckigkeit, Durchsetzungsfähigkeit und der Wille, sich zu quälen und sich selbst über das Normalmaß zu belasten", sagt Webersdorfer, der selbst einst Vorstand bei der TGW in Wels war. Durchsetzungsvermögen manifestiere sich entweder in Ellbogentechnik oder heute vielmehr aus einer Kombination aus sozialer Kompetenz und Beharrlichkeit.

"Meist merkt man schon beim Vorstellungsgespräch mit Kandidaten nach zwei Fragen, ob jemand das Zeug für die Nummer eins hat", sagt Webersdorfer. Es geht um Strategie und Marktpositionierung. Wer damit nichts anfangen könne, sei fehl am Platz.

Der CEO müsse eine Persönlichkeit sein, dem man abkauft und von dem man spürt, dass er Veränderungen erklären und umsetzen kann, ergänzt Klinger. "Strategie und visionäres Denken machen einen guten CEO aus." "Weitblick, Mut und die Fähigkeit, Menschen wertschätzend zu führen", sind Merkmale, die Personalberaterin Susanne Seher (Seher & Partner) als zentrale Voraussetzung für einen guten Vorstandschef sieht. Nicht zu unterschätzen sei ein stabiles privates Umfeld.

Quereinsteiger oder Eigengewächs?

"Es gibt keinen Königsweg für die Karriere zum Generaldirektor", sagt Susanne Seher. Das zeigen auch die Lebenswege der oberösterreichischen Chefs. Die Generaldirektoren der heimischen Banken sind im eigenen Haus groß geworden. Dasselbe gilt für den Chef der voestalpine und seinen designierten Nachfolger, den FACC- und den Energie-AG-Chef.

Doboczky wurde von DSM engagiert. Greiner-Chef Axel Kühner wurde von Mercedes geholt. Firmen wie Miba oder Rosenbauer werden von Mitgliedern der Eigentümerfamilien geführt. Sowohl F. Peter Mitterbauer als auch Dieter Siegel mussten sich zunächst außerhalb der Firma beweisen. "Wichtig ist, dass im Lebenslauf eine gewisse Kontinuität und nicht allzu viele Veränderungen abzulesen sind", sagt Seher. "Wer intern Karriere macht, braucht mitunter Geduld, die Fähigkeit, zu manchem Nein zu sagen, und einige Leistungen, mit denen er leuchten kann."

Und die Frauen?

Eine Generaldirektorin ist immer noch die Ausnahme. "Vor allem in Österreich und Europa", sagt Susanne Seher. Dabei würden viele Aufsichtsräte gerne mehr Frauen im Spitzenmanagement engagieren. "Aber wenn im Auswahlverfahren keine aufzeigt, kann man auch keine engagieren. Es dauert wohl noch einige Zeit, bis so etwas selbstverständlich wird. Die USA sind da weiter."

Was braucht man noch?

Alle drei befragten Personalberater sind sich einig, dass ein Mentor, der fördert, aber auch fordert, ganz wichtig sei. Und letztlich: ein bisschen Glück, zum richtigen Zeit am richtigen Ort für die Position bereit zu sein.