Corona-Pandemie ist Fluch und Chance für die Aus- und Weiterbildung

Heribert Sendlhofer: "E-Learning ermöglicht zeit- und ortsunabhängiges Lernen, am besten individuell und interaktiv gestaltet." Bild:

Die letzten Monate waren für alle, Unternehmer, Mitarbeiter und Lernende herausfordernd. Auf geschlossene Geschäfte, keine Schule, keine Termine und Stillstand folgten Homeoffice, Homeschooling und digitale Meetings. Umdenken, umplanen, rasches Handeln war und ist weiterhin gefragt, vor allem auch in der Ausbildung. Es braucht maßgeschneiderte und individuelle Lösungen.

Heribert Sendlhofer, seit mehr als 30 Jahren als Unternehmer im Bereich Beratung und Managementtraining tätig, gründete 2006 die CSC-Consulting GmbH in Wels, ein Institut für E-Training, entwickelt und produziert erfolgreiche E-Training-Lösungen für die effiziente und effektive Aus- und Weiterbildung von MitarbeiterInnen und Vertriebspartnern.

Wie stellte sich die Ausgangssituation für Lernende bisher dar und wo liegen die Schwierigkeiten?

Sendlhofer: Der überwiegende Teil der Ausbildungsmaßnahmen hat sich bisher am Präsenztraining orientiert. Ein wichtiger Vorteil dieser Methode war und ist der persönliche Kontakt zwischen den Ausbildern und den Auszubildenden. Die Herausforderungen für die Auftraggeber liegen in der Wirtschaftlichkeit und der Kontrollierbarkeit der Maßnahmen. Erschwerend kommen noch die internationale Vernetzung und Sicherstellung der durchgängigen Kommunikation hinzu. Diese Formen der Ausbildung sind sehr kostenintensiv und auch aus Personalmangel zeitlich kaum mehr zu verkraften. Hinzu kommt die oft schwierige Nachvollziehbarkeit der Maßnahmen.

Was änderte sich seit Covid-19?

Die Corona-Pandemie hat zu einem schnellen Umdenken geführt und unterschiedliche Reaktionen bei Unternehmen und Organisationen ausgelöst. Im Bildungsbereich wurde zwangsweise sofort auf digitales Lernen umgestellt, nicht immer aber waren oder sind die Ausbildungsmaßnahmen auch pädagogisch und technisch optimal, denn es fehlt an der richtigen Infrastruktur und an den speziellen Kompetenzen bei den Ausbildnern. Dies führte teilweise zu Frustration bei Schülern und Studenten. Viele Unternehmen, die unter den Auswirkungen der Pandemie leiden, haben die finanziellen Mittel für Schulung und Weiterbildung gestrichen, über Nacht stehen selbstständige Ausbildner ohne Aufträge da.

Aber doch nicht alle Unternehmen?

Zukunftsorientierte Unternehmen sehen Chancen, passen sich den notwendigen Veränderungen an und nehmen die Situation zum Anlass, ihre Digitalisierung in allen Bereichen der Organisation umzusetzen und zu optimieren. Dieser Schritt war schon lange fällig, benötigt aber auch Investitionen, moderne, IT-gestützte Maßnahmen und Strategien in der Aus- und Weiterbildung sowie in der gesamten Unternehmenskommunikation. Der österreichische Staat fördert diese Entwicklungen mit einer 14-prozentigen Investitionsprämie.

Welche Maßnahmen sind nun erforderlich?

Um unser Bildungs- und Ausbildungssystem auf Dauer krisenfest zu machen, sind zeitnahe Maßnahmen erforderlich. Die technische Infrastruktur ist dafür eine wichtige Voraussetzung. Die Ausbildungskonzepte haben sich an den neuen, modernen Medien und pädagogischen Erkenntnissen zu orientieren, dabei darf nicht auf die zwischenmenschlichen Beziehungen vergessen werden. Der pädagogisch richtige Aufbau der Programme und die Qualifikation der Lehrer beziehungsweise Ausbildner trägt wesentlich zur Motivation der Auszubildenden und damit zum Gesamterfolg bei. Sehr früh haben prominente Unternehmen, wie zum Beispiel die Swietelsky AG, diesen Trend erkannt und damit viele Unternehmensbereiche erfolgreich neu strukturiert.

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